2016 begann die Arbeit mit Einzelaktionen, die sich vor allem auf Maßnahmen der Handlungsfelder betriebliche Gesundheitsförderung und Arbeitnehmer:innenschutz konzentrierten. Nach einigen Jahren der Aufbauarbeit wurde das Gesundheitsmanagement nach Erweiterung von personellen Ressourcen in die Bereichsstrategie Personal integriert. Etablierte Programme wurden beibehalten und das betriebliche Eingliederungsmanagement neu aufgebaut.
Wie und von wem wurden Sie beim Aufbau eines BGMs unterstützt?
Von Beginn an stieß der Aufbau eines umfassenden und strukturierten Gesundheitsmanagements auf große Zustimmung und Unterstützung des Vorstandes und des gesamten Managements. Es konnte im Unternehmen ein gemeinsames Verständnis etabliert werden, dass gesunde und zufriedene Mitarbeiter:innen die größte Ressource darstellen.
Das Gesundheitsmanagement verfügt über ein breites Netzwerk im Unternehmen, bestehend unter anderem aus Sicherheitsfachkräften, Arbeitsmedizin, Behindertenvertrauensperson, Betriebsrat, engagierten Kolleg:innen an allen Standorten und Unternehmenskommunikation.
Welche konkreten Maßnahmen haben Sie als Unternehmen gesetzt?
- Präventionsmaßnahmen: An den größeren Bürostandorten wird eine Vorsorgeuntersuchung nach dem ÖGK-Modell angeboten. Als organisatorisch einfachere Alternative wird an kleineren, dezentralen Standorten ein 40-minütiger Stationenbetrieb mit dem Schwerpunkt Herz-Kreislauf-Gesundheit angeboten, bei dem Mitarbeiter:innen medizinische Checks und ärztliche Beratung erhalten. Mit dem ASFINAG Gesundheitsmobil kommt ein weiteres Angebot direkt zu den Mitarbeitenden, bei dem hochwertige Check Ups, wie Kraftmessung der Bauch- und Rückmuskulatur, Beweglichkeit der Wirbelsäule und Lungenfunktionsmessung durchgeführt werden können.
- Psychische Gesundheit: 2021 wurde in der ASFINAG ein Employer Assistance Program – EAP – eingeführt. Mitarbeitenden stehen 5 Einheiten im Rahmen einer lösungsorientieren Kurzzeitberatung zur Verfügung, die sie zu beruflichen und privaten Themen nutzen können. Darüber hinaus steht dieses Angebot auch Angehörigen offen.
- Zielgruppen- und themenspezifische Maßnahmen: an Mitarbeitende mit Pflegeaufgaben richtet sich das Beratungsangebot über die App „Alles Clara“. Zu unterschiedlichen Gesundheitsthemen finden Webtalks statt, die einen besonderen Fokus auf das Thema Gendermedizin legen. In enger Zusammenarbeit mit den Kollegen vom Arbeitnehmer:innenschutz widmen wir uns dem Thema Arbeit bei Hitze, unter anderem mit einer App zur frühen Identifikation von Hautveränderungen.
- Betriebliches Eingliederungsmanagement: 2023 wurde in der ASFINAG ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) eingeführt, um Mitarbeiter:innen beim Erhalt, der Verbesserung oder Wiederherstellung ihrer Arbeitsfähigkeit nachhaltig zu unterstützen. Das freiwillige Angebot richtet sich an Kolleg:innen, die sich Unterstützung bei der Identifikation und Anbahnung von geeigneten Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation und/oder von beruflichen Maßnahmen wünschen. Eine dieser beruflichen Maßnahmen zum belastungsangepassten Wiedereinstieg nach einem längeren Krankenstand kann das bewährte Instrument der Wiedereingliederungsteilzeit (WIETZ) sein. Sollte das zentrale Ziel der WIETZ – die Ausübung der Tätigkeit in ursprünglicher Form und Ausmaß – nicht vorstellbar sein, wird in Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern (Arbeitsmedizin, HR, FK und BR) nach Möglichkeit eine Adaption der Tätigkeit mit dem Ziel des dauerhaften Erhalts des Arbeitsplatzes und der individuellen Arbeitsfähigkeit angestrebt.
- Maßnahmen zur Evaluierung und Qualitätssicherung: Neben etablierten Kennzahlen, wie den Daten zur Arbeitsunfähigkeit, Inanspruchnahme Wiedereingliederungsteilzeit, Ergebnisse aus Mitarbeiter:innenbefragung und Evaluierung der psychischen Belastungen, werden zB anonymisierte Berichte aus dem EAP und Zahlen zum Aufruf von Themen im Intranet und der Mitarbeiter:innen App zur Maßnahmenplanung herangezogen. Seit 2024 hat die ASFINAG das BGF-Gütesiegel, die Neubeantragung für den Zeitraum 2027 – 2029 wurde bei der ÖGK eingereicht.
- Maßnahmen zur Kommunikation: In der ASFINAG stehen dem Gesundheitsmanagement vielfältige Kanäle zur Platzierung der Gesundheitsthemen zur Verfügung: im unternehmensweiten Intranet werden einerseits regelmäßig Artikel zu aktuellen Themen veröffentlicht, andererseits wird dies auch für langfristige Kampagnen genutzt. Ein neuer Kommunikationskanal, der unternehmensweit zur Verfügung steht ist eine Mitarbeiter:innen App, innerhalb derer das Gesundheitsmanagement eine eigene Rubrik hat. 2025 wurde ein interner Podcast eingerichtet, in dem Mitarbeiter:innen unter dem Motto „Red ma drüber“ über herausfordernde Situationen in ihrem Leben sprechen.
Konnten die Handlungsfelder ArbeitnehmerInnenschutz, Betriebliche Gesundheitsförderung, Betriebliches Eingliederungsmanagement verknüpft werden?
Es wurde mit dem ASFINAG Gesundheitskomitee eine innerbetriebliche Steuerungsgruppe bestehend aus Vorstand, Kernteam des betrieblichen Gesundheitsmanagements, Arbeitnehmer:innenschutz, Betriebsrat, HR, Unternehmenskommunikation und Standortvertretungen eingerichtet. Die Aufgaben des Gesundheitskomitees sind das Abstimmen der Gesamtstrategie, die Diskussion von Schwerpunktthemen, die Festlegung von Prioritäten und Zielen, das Bewerten von Analyseergebnissen und eine Steuerung der Informationsprozesse. Dies soll die nachhaltige Gestaltung einer gesunden Arbeitswelt in Abstimmung aller Handlungsfelder garantieren.
Was waren Herausforderungen bzw. Erfolgsfaktoren im Hinblick auf eine nachhaltige Verankerung des Themas Gesundheit in Ihrem Unternehmen?
Die ASFINAG hat österreichweit über 58 Betriebsstandorte, von Bürostandorten über Mautstellen und Autobahnmeistereien. Dies stellt immer wieder eine Herausforderung sowohl hinsichtlich der örtlichen Organisation von Maßnahmen, aber auch hinsichtlich der Diversität in den Bedürfnissen und Bedarfen der einzelnen Beschäftigungsgruppen dar.
Ein besonderer Fokus liegt handlungsfelderübergreifend auf dem Thema Generationenmanagement. Im Zentrum stehen im Rahmen der HR Strategie Maßnahmen, die einerseits altersgerechtes Arbeiten, wie zB Anpassung von Tätigkeiten mit Unterstützung des betrieblichen Eingliederungsmanagements zu ermöglichen, und andererseits mit Maßnahmen wie zB flexible Arbeitszeitmodelle, alternsgerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Veröffentlicht: September 2026