Vorgehensweise
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt den Arbeitsplatz als einen der wichtigsten Lebensbereiche zur Förderung von Gesundheit. Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass Arbeitsfähigkeit und Gesundheit insbesondere dort entstehen, wo Menschen ihre Arbeit als verstehbar, bewältigbar und sinnvoll erleben. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für den Aufbau eines ganzheitlichen BGM. Die Umsetzung orientierte sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen, internationalen Empfehlungen und einer kontinuierlichen Evaluation.

Foto: Gesundheitstag, Elisabethinen Graz, Drexel
Den Ausgangspunkt für die Etablierung des BGM im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz bildeten Mitarbeiter*innenbefragungen, Interviews bzw. Fokusgruppen und Analysen vorliegender Daten. Der Prozess der Maßnahmenentwicklung wurde wissenschaftlich begleitet und in die gesetzlich vorgeschriebene Evaluierung psychischer Belastungen integriert. Dabei wurde deutlich, dass Gesundheit am Arbeitsplatz viele Einflussfaktoren umfasst, unter anderem sichere Arbeitsbedingungen, psychische Gesundheit, gesundheitsförderliche Führung, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie Möglichkeiten zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung.
Der Aufbau des Betrieblichen Gesundheitsmanagements erfolgte mit Unterstützung des Fonds Gesundes Österreich im Rahmen einer Projektförderung für BGF, der Österreichischen Gesundheitskasse im Netzwerk BGF, der AUVA, fit2work, ONGKG sowie weiterer interner und externer Expertinnen. Die Geschäftsführung und die Kollegiale Führung verankerten Gesundheit frühzeitig als strategisches Unternehmensziel. Gleichzeitig brachten Mitarbeiterinnen aller Berufsgruppen ihre Erfahrungen und Ideen in die Entwicklung und Umsetzung der Maßnahmen ein.
Die Angebote umfassen unter anderem Workshops zur psychischen Gesundheit und Resilienz, Programme zur gesunden Führung, Bewegungs- und Entspannungsangebote, ergonomische Arbeitsplatzberatungen, Gesundheitscafés [1], Gesundheitstage, Impfprogramme, digitale Gesundheitsangebote sowie Informationsveranstaltungen, Ausflüge, Ernährungs- und Sportangebote.
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Fotos: Firmenrudern und Gesundheitstag, Elisabethinen Graz, Drexel
Die Umsetzung von Gesundheitsmaßnahmen im Betrieb erfordert flexible Lösungen. Unterschiedliche Berufsgruppen, Schichtdienste, steigende Arbeitsbelastungen sowie die Veränderungen im Gesundheitswesen machten bedarfsgerechte Angebote notwendig. Gleichzeitig wurden Gesundheitsmaßnahmen so gestaltet, dass sie möglichst viele Mitarbeiter*innen unabhängig von Arbeitszeit und Einsatzbereich erreichen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre bestätigten den hohen Stellenwert digitaler und zeitlich flexibler Angebote. Im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz gibt es unter anderem folgende Angebote:
- flexible Angebote: Fitnessgeräte zur freien Verfügung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; Physiotherapeutische Abklärung und praxisrelevante Tipps;
- Kurse vor Ort: Wirbelsäulentraining Yoga; Workshop: Wenn der Wind der Veränderung weht; Foresight Mindset – Führung mit Orientierung, Sicherheit und Zukunftsmut; Selbstführung und Menschenkenntnis, Selbstfürsorge in Zeiten des Wandels; und vieles mehr
- Tanztraining: Entfachen Sie ihr Tanzfeuer, Sportangebote: Schwimmtraining; Firmenrudern;
Seit 2014 werden die gesetzlich vorgeschriebenen Evaluierungen psychischer Belastungen wissenschaftlich begleitet und in regelmäßigen Abständen wiederholt sowie mit der Evaluation der BGF-Angebote verknüpft. Ergänzend fließen die Ergebnisse des Audits berufundfamilie, Mitarbeiter*innenbefragungen sowie laufende Maßnahmenevaluierungen in die Planung neuer Angebote ein. Erkenntnisse aus den Erhebungen werden gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen analysiert und in konkrete Maßnahmen überführt. Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der neue Herausforderungen und veränderte Rahmenbedingungen berücksichtigt.
Die kontinuierliche Evaluation im Rahmen der vom FGÖ geförderten Projekte (Endbericht 2016-2019, Endbericht 2021-2024) zeigt eine hohe Akzeptanz der BGF-Angebote und eine zunehmende Verankerung des Themas Gesundheit im Arbeitsalltag. Die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen sowie innerhalb der Steuerungsgruppe und der für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGF/BGM) zuständigen Gremien wurde gestärkt. Gesundheit ist heute ein integraler Bestandteil strategischer Entscheidungen und organisatorischer Entwicklungsprozesse. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement leistet dabei einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Erhaltung der Arbeitsfähigkeit, indem Mitarbeiter*innen nach längeren Erkrankungen durch einen strukturierten, freiwilligen und individuell begleiteten Wiedereingliederungsprozess in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsmedizin, der Personalabteilung, den Führungskräften und fit2work erfolgreich in den Arbeitsalltag zurückgeführt werden. Insgesamt tragen die Maßnahmen zur Mitarbeiterinnenbindung, zur Attraktivität des Krankenhauses als Arbeitgeber sowie zur langfristigen Sicherung gesunder und leistungsfähiger Arbeitsbedingungen bei.

Foto: Gesundheitstag, Elisabethinen Graz, Drexel
Nachhaltige Weiterentwicklung
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass nachhaltiges Betriebliches Gesundheitsmanagement auf einer klaren Strategie, der Unterstützung der Unternehmensleitung, wissenschaftlicher Begleitung, interdisziplinärer Zusammenarbeit und der aktiven Beteiligung der Mitarbeiter*innen basiert. Gesundheit entwickelt sich dort nachhaltig, wo sie als Bestandteil der Organisationskultur verstanden und kontinuierlich weiterentwickelt wird. Aus zahlreichen Einzelmaßnahmen entstand über die Jahre eine gelebte Gesundheitskultur. Diese Entwicklung wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem BGF-Gütesiegel und dem Gesundheitspreis des Landes Steiermark 2026.
Im Rahmen des Projekts wurden digitale Gesundheitsangebote entwickelt, wissenschaftlich evaluiert und dauerhaft in das Betriebliche Gesundheitsmanagement integriert. Die Projektergebnisse zeigen, dass digitale Angebote die klassische Gesundheitsförderung sinnvoll ergänzen und insbesondere Mitarbeiter*innen im Schichtdienst einen niederschwelligen, zeit- und ortsunabhängigen Zugang ermöglichen. Über die Mitarbeiter*innen-Plattform und -App stehen E-Learning-Module, Achtsamkeitsvideos, Ernährungsvorträge, Informationen zum Hitzeschutz sowie weitere Gesundheitsangebote, Terminbuchungen und berufsgruppenspezifische Informationen ebenso zur Verfügung wie aktuelle Neuigkeiten aus dem Krankenhaus und externe Angebote der Gesundheitsnetzwerke.
Darüber hinaus wurden die Erfahrungen des Krankenhauses der Elisabethinen Graz auf nationalen und internationalen Konferenzen präsentiert sowie publiziert. [2] [3] [4]
Ausblick
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, zunehmender psychischer Belastungen und des Fachkräftemangels gewinnt Betriebliches Gesundheitsmanagement weiter an Bedeutung. Die Weiterentwicklung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen, altersfreundlicher Arbeitsplätze, digitaler Gesundheitsangebote, des Betrieblichen Eingliederungsmanagements und einer gesundheitsförderlichen Führung bleibt daher auch künftig ein wesentlicher Bestandteil der Organisationsentwicklung im Krankenhaus der Elisabethinen Graz.
- Konferenzbeitrag: Nöhammer, E., Drexel, M., & Bachler, E. (2024). Gesundheitscafé für Gesundheitskompetenz: Zwischenergebnisse. Das Gesundheitswesen, 86(Supplement 5), S. 300. https://doi.org/10.1055/s-0044-1794272 (Aug. 2026)
- Publikation: Nöhammer E, Drexel M. The potentials of Digital Workplace Health Promotion. International Journal of Environmental Research and Public Health 2024, 21(7), 902. DOI: https://doi.org/10.3390/ijerph21070902.
- Konferenzbeitrag: Nöhammer, E., & Drexel, M. (2022). Digitale betriebliche Gesundheitsförderung: Einstellungen und Wünsche der Mitarbeitenden. In 26. ONGKG-Konferenz: Konferenzband. Österreichisches Netzwerk Gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen (ONGKG), S. 40-41. Online unter: https://www.ongkg.at/fileadmin/user_upload/Konferenz/2022/26.ONGKG-Konferenz_Konferenzband.pdf (Aug. 2026)
- Projektbericht FGÖ: Drexel M, Nöhammer, E. (o. J.). Endbericht Eligsund digital; Projekt KHE 3217 (öffentliche Version). Funder and Platform: Fonds Gesundes Österreich. Online: https://fgoe.org/sites/fgoe.org/files/project-attachments/Endbericht_KHE_3217_oeff_1.pdf

