Der Klimawandel wirkt sich auf viele Bereiche des Alltags aus, darunter auch auf die Gesundheit am Arbeitsplatz. Der aktuelle Grundlagenbericht „Klimawandel und Gesundheit am Arbeitsplatz“ der Gesundheit Österreich GmbH macht deutlich: Die gesundheitlichen Auswirkungen sind längst in der österreichischen Arbeitswelt angekommen und nehmen weiter zu.
Gesundheitsrisiken entstehen dabei nicht allein durch klimatische Veränderungen, sondern durch das Zusammenspiel von Gefahr, Exposition und Vulnerabilität (siehe Abbildung 1). Besonders zentral ist die Exposition: Arbeitsort, Tätigkeit und Arbeitsbedingungen bestimmen maßgeblich, wie stark Beschäftigte klimatischen Gefahren wie Hitze oder UV-Strahlung ausgesetzt sind. Wie stark sich diese Belastungen auf die Gesundheit auswirken, hängt wiederum von der Vulnerabilität ab. Neben individuellen Faktoren wie Alter oder Gesundheitszustand spielen auch arbeitsbezogene Aspekte eine zentrale Rolle. Körperlich anstrengende Tätigkeiten, fehlende Schutzmaßnahmen oder mangelnde Schulungen erhöhen die Risiken zusätzlich.
Abbildung 1: Einfluss des Kontexts Arbeitswelt auf das klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko an der Schnittstelle von Exposition, Vulnerabilität und Gefahr

Quelle und Darstellung: GÖG, auf Basis von IPCC (2022) [1]
Hitze gilt als zentrales klimabedingtes Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz in Österreich. Die Zahl der Hitzetage hat sich hierzulande gegenüber dem Zeitraum 1961–1990 etwa verdreifacht [2]. Hohe Temperaturen beeinträchtigen sowohl die körperliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit und erhöhen das Risiko für Dehydrierung, Kreislaufprobleme oder im Extremfall Hitzschlag. Gleichzeitig steigt die Unfallgefahr, da Konzentration und Reaktionsvermögen abnehmen. In Europa sind bereits rund 29 Prozent der Beschäftigten von extremer Hitze betroffen [3]. Besonders gefährdet sind Personen, die im Freien arbeiten oder körperlich intensive Tätigkeiten verrichten, etwa in der Bauwirtschaft oder Landwirtschaft. Aber auch in Innenräumen nimmt die Hitzebelastung zu, etwa in Produktionshallen, schlecht klimatisierten Büros oder Gesundheitseinrichtungen.
Neben Hitze gewinnt auch die Belastung durch UV-Strahlung an Bedeutung. Der Klimawandel verlängert die Dauer intensiver Sonneneinstrahlung und beruflicher Exposition. UV-Strahlung wirkt auf Haut und Augen und verursacht kurzfristige wie langfristige Gesundheitsschäden, etwa Hautkrebs. Schätzungen zufolge ist rund ein Drittel der weltweiten Todesfälle durch „weißen Hautkrebs“ auf berufliche UV-Exposition zurückzuführen [4]. Beschäftigte im Freien – von denen es in Österreich ca. 400.000 gibt – sind besonders betroffen.
Weitere klimabedingte Gefahren verstärken die Gesundheitsbelastung zusätzlich: Luftschadstoffe wie Ozon begünstigen Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Extremwetterereignisse erhöhen das Risiko für Verletzungen und psychische Belastungen. Gleichzeitig führen längere Pollensaisonen zu mehr allergischen Erkrankungen, während sich durch Zecken und Stechmücken auch das Risiko für vektorübertragene Krankheiten in bestimmten Berufsgruppen erhöht.
Doch die Auswirkungen führen nicht nur zu individuellen Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmer:innen, sondern auch zu steigenden Zahlen an Krankenständen, Arbeitsunfällen und Produktivitätsverlusten – mit spürbaren wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen und die sozialen Sicherungssysteme.
Eine Studie des IHS [5] zeigt, dass unter einem Szenario stark steigender Temperaturen ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 0,7 % bzw. 2,92 Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren möglich ist. Laut Berechnungen des Lancet Countdowns gingen im Jahr 2024 in Österreich potenziell rund 12,4 Mio. Arbeitsstunden aufgrund von Hitze verloren [6]. Dabei entfiel rund die Hälfte auf die Bauwirtschaft, weitere etwa 20 Prozent auf die Landwirtschaft (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Potenziell verlorene Arbeitsstunden aufgrund von Hitze in Österreich (1990-2024)

Quelle und Darstellung: Romanello et al. (2025) [6]
Auch die Zahl klimabedingter Arbeitsunfälle steigt. Studien aus der Schweiz [7] und Deutschland [8] zeigen, dass an Tagen mit Temperaturen über 30 °C die Zahl der Arbeitsunfälle um 7-8 % zunimmt. Zudem steigen Krankenstände, insbesondere durch hitzeassoziierte Erkrankungen wie Kreislaufprobleme oder Sonnenstich.
Es wird deutlich, dass Klimawandelanpassung in der Arbeitswelt weit über einzelne technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen hinausgeht und als Teil einer umfassenderen sozial-ökologischen Transformation verstanden werden muss. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Arbeitsbedingungen so gestaltet werden können, dass sie langfristig gesundheitsförderlich, resilienzstärkend und zugleich sozial gerecht bleiben. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Rolle der Betriebe, da sie maßgeblich Einfluss auf die Gestaltung und Präventionsstrategien des Arbeitsplatzes haben und Investitionsentscheidungen tätigen können.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) als integrativer Ansatz zunehmend an Bedeutung. Es verbindet Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung und bietet eine strukturierte Grundlage, um klimabezogene Risiken systematisch in betriebliche Prozesse einzubetten. Entscheidend ist ein vorausschauender Zugang, der nicht nur auf akute Belastungen reagiert, sondern Anpassung als kontinuierlichen Prozess versteht. So kann das BGM dazu beitragen, gesundheitliche Risiken zu reduzieren, die Anpassungsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig zu verhindern, dass bestehende soziale Ungleichheiten im Zuge des Klimawandels weiter verstärkt werden.
Weiterlesen: Grundlagenbericht „Klimawandel und Gesundheit am Arbeitsplatz“
Gesundheit Österreich GmbH
Felix Durstmüller, MSc | Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit | felix.durstmueller@goeg.at
- IPCC (2022): Climate change 2022: impacts, adaptation and vulnerability [online]. www.ipcc.ch/report/ar6/wg2
- APCC (2025): Second Austrian Assessment Report on Climate Change (AAR2) of the Austrian Panel on Climate Change (APCC). Hg. v. Huppmann, Daniel; Keiler, Margreth; Riahi, Keywan; Rieder, Harald. Austrian Academy of Sciences Press, Vienna
- Flouris, Andreas; Graczyk, Halshka; Nafradi, Balint; Scott, Natasha; Azzi, M (2024): Heat at Work: Implications for Safety and Health. A Global Review of the Science, Policy and Practice. In: International Labour Organization Available at wwwiloorg/publications/heat-work-implications-safety-and-health:1-89
- WHO (2021): The Effect of Occupational Exposure to Solar Ultraviolet Radiation on Malignant Skin Melanoma and Non-Melanoma Skin Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis from the WHO/ILO Joint Estimates of the Work-related Burden of Disease and Injury. 1st ed Aufl., World Health Organization, Geneva
- Kimmich, Christian; Weyerstraß, Klaus; Czypionka, Thomas; Fauster, Norman FRM; Kinner, Maurice; Laa, Elisabeth; Mateeva, Liliana; Plank, Kerstin; Ulrici, Leonhard; Zenz, Hannes; Miess, Michael; Poledna, Sebastian (2025): Economic impact of labor productivity losses induced by heat stress: an agent-based macroeconomic approach. In: Climatic Change 178/3:36
- Romanello, Marina; Walawender, Maria; Hsu, Shih-Che; Moskeland, Annalyse; Palmeiro-Silva, Yasna; Scamman, Daniel; Smallcombe, James W; Abdullah, Sabah; Ades, Melanie; Al-Maruf, Abdullah (2025): The 2025 report of the Lancet Countdown on health and climate change: climate change action offers a lifeline. In: The Lancet 406/10521:2804-2857
- Drescher, Katharina; Janzen, Benedikt (2025): When weather wounds workers: The impact of temperature on workplace accidents. In: Journal of Public Economics 241/:105258
- Mangelsdorf, Stefan; Meier, Kristina (2025): Der Einfluss von Temperatur auf das Arbeits- und Wegeunfallgeschehen in Deutschland. In: DGUV-forum 2025/7-8:31-33