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Barbershops als Orte der Männergesundheit

Wie Barbershops zu Orten der Männergesundheit werden können

 

Männer sind gesundheitsfern? Männer sprechen nicht gerne über Stress oder Krankheiten? Wer in einem Friseurstuhl Platz nimmt und mit seinem Barber ins Gespräch kommt, erlebt oft das Gegenteil: Es wird geredet – über alles Mögliche, auch über Gesundheit. Genau hier setzt das Projekt „Healthy Barbers“ an.

Das Projekt „Healthy Barbers“ verbindet auf innovative Weise Gesundheitsförderung mit einem Ort, an dem viele Männer regelmäßig und gerne verweilen: dem Barbershop. In Wien wurde dieses Setting bewusst gewählt, um speziell jene Männer zu erreichen, die von klassischen Gesundheitsangeboten oft kaum profitieren – Männer mit Migrationshintergrund, mit geringer formaler Bildung oder in prekären Lebenssituationen. Die Friseurläden bieten dabei mehr als einen Haarschnitt: Sie sind informelle Treffpunkte, vertraute Orte und soziale Drehscheiben – ideale Voraussetzungen für niederschwellige Prävention und Aufklärung.

Im Projekt wurden Mitarbeiter:innen der teilnehmenden Betriebe zu Multiplikator:innen für Männergesundheit geschult. In insgesamt acht Schulungseinheiten pro Betrieb erhielten sie praxisnahe Informationen zu körperlicher und psychischer Gesundheit, Sucht, Ernährung, dem österreichischen Gesundheitssystem sowie rechtlichen Themen. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei jenen Bereichen gewidmet, die in der Lebensrealität der Zielgruppe besonders relevant sind – etwa Umgang mit Stress, Gewalterfahrungen, Beziehungsfragen oder Tabus rund um psychische Erkrankungen. Die Schulungen fanden direkt in den Betrieben nach Feierabend statt – lebensnah, alltagstauglich, dialogorientiert.

Warum ist das Projekt so besonders?
„Healthy Barbers“ steht für einen Zugang zur Gesundheitsförderung, der die Menschen dort abholt, wo sie stehen – sprachlich, kulturell und sozial. Statt auf frontale Vorträge zu setzen, wurden echte Beziehungen genutzt, um Wissen zu vermitteln und Reflexion anzuregen. Die Barbiere wurden ermutigt, in ihren alltäglichen Gesprächen mit Kund:innen gesundheitliche Themen sensibel aufzugreifen und bei Bedarf auf professionelle Anlaufstellen hinzuweisen – ohne die Rolle von Fachpersonal zu übernehmen, aber mit erhöhter Gesprächskompetenz.

Ein Erfolgsfaktor war der partizipative Ansatz: Die Inhalte wurden gemeinsam mit den Teilnehmenden abgestimmt und weiterentwickelt. So entstand ein echtes Dialogprojekt, das nicht nur Wissen vermittelte, sondern auch Selbstwirksamkeit und Vertrauen stärkte. Die externe Evaluation bestätigt: Die Zufriedenheit mit den Schulungen ist hoch, das Vertrauen in den Umgang mit Gesundheitsfragen ist gewachsen und das Wissen um Unterstützungsangebote gestiegen.

Das Projekt wurde von L&R Sozialforschung evaluiert. Die Rückmeldungen waren überaus positiv: Organisatorischer Ablauf, Inhalte, Sprache und Unterlagen wurden sehr gut bewertet. Die Kombination aus Gruppen- und Einzelgesprächen sowie praktischen Übungen half, eigenes Gesundheitswissen zu stärken. Viele Teilnehmende berichteten über gesteigertes Bewusstsein, offeneren Austausch im Team und einen verbesserten eigenen Gesundheitszustand.

Deutliche Wissenszuwächse zeigten sich u. a. bei berufsbezogenen Verletzungen, dem Gesundheitssystem, Impfungen, psychischer Gesundheit sowie bei Fragen rund um Haar- und Nagelpflege. Die Barbers führten nach den Schulungen häufiger Gesundheitsgespräche mit Kunden und verwiesen sicherer an passende professionelle Anlaufstellen, etwa auch für psychische Gesundheit.

Was können andere Einrichtungen daraus mitnehmen?
Im Rahmen des Projekts wurde eine Schulungsmappe veröffentlicht, welche die Inhalte und Erfahrungen des Projekts dokumentiert und zur Umsetzung weiterer vergleichbarer Projekte ermutigen soll – ob in Friseursalons, Cafés, Werkstätten oder anderen Orten des Alltags. Denn um Männergesundheit nachhaltig zu fördern, braucht es Ideen für neue Zugänge zu vorhandenen Strukturen. 

Die Mappe bietet konkrete Inhalte, methodische Hinweise und strukturelle Anregungen für die Arbeit mit Multiplikator:innen – insbesondere in alltagsnahen, männlich geprägten Räumen wie Barbershops. Die Mappe kann hier heruntergeladen werden: https://men-center.at/wp-content/uploads/2025/11/Schulungsmappe_v03ES.pdf

Das Projekt „Healthy Barbers“ wurde vom Männergesundheitszentrum MEN umgesetzt und vom Fonds Gesundes Österreich und der Wiener Gesundheitsförderung gefördert.

Männergesundheitszentrum MEN
Mag. Paul Brugger | Klinischer und Gesundheitspsychologe