Die Public-Health-Forscherin Dr.in Yvonne Prinzellner beleuchtete im Rahmen der Veranstaltung „Gesundheitsförderung im Gespräch“ die Rolle sozialer Medien für Gesundheitsdiskurse von Frauen. Frauengesundheit umfasst dabei weit mehr als reproduktive Medizin: Sie betrifft auch die Wahrnehmung und Kommunikation von Symptomen, gesundheitsrelevantes Verhalten sowie die Nutzung von Versorgungsangeboten. Gleichzeitig beeinflussen unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern gesundheitliche Chancen und Risiken.
Digitale Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube sind zu wichtigen Orten der Gesundheitskommunikation geworden. Durch bild- und videobasierte Inhalte wirken Beiträge besonders emotional, authentisch und nahbar. Gleichzeitig verschiebt sich der Gesundheitsdiskurs zunehmend von Expert*innen hin zu Communities, in denen auch Laien ihre Erfahrungen teilen. Dadurch werden Themen sichtbar, die zuvor wenig Beachtung fanden, etwa ADHS bei Frauen, Endometriose, Lipödem oder der Umgang mit Krebs. Betroffene berichten über ihre Erfahrungen, bieten gegenseitige Unterstützung und tragen zur Entstigmatisierung bei.
Der Vortrag zeigte jedoch auch problematische Entwicklungen auf. Gesundheitsinformationen werden online häufig verkürzt dargestellt, normative Körperbilder oder Lebensentwürfe verstärkt und Fehlinformationen verbreitet. Trends wie Selbstdiagnosen oder vermeintlich „natürliche“ Heilversprechen können entstehen, während Algorithmen emotionale und polarisierende Inhalte besonders sichtbar machen. Gleichzeitig ist die Qualität der Gesundheitsinformationen sehr unterschiedlich, was für Nutzerinnen eine Herausforderung bei der Bewertung der Inhalte darstellt.
Auch Themen wie sexuelle Gesundheit, Verhütung, Schönheitsoperationen oder mentale Gesundheit spielen eine große Rolle. Während manche Inhalte Aufklärung und Austausch ermöglichen, können andere Selbstoptimierungsdruck erzeugen oder schwer als Werbung erkennbar sein. Zunehmend relevant werden zudem KI-generierte Influencer*innen, die Produkte bewerben oder sogar Gesundheitsprofis imitieren.

©WiG/Klaus Ragner
Diese Dynamiken könnten einerseits gesundheitliche Belastungen zusätzlich verstärken, aber auch Hilfestellungen bieten und die Gesundheit fördern.
Daher kommt die Vortragende zum Schluss, dass digitale Räume aus gesundheitskommunikativer und geschlechtersensibler Perspektive sowohl Empowerment als auch Disempowerment fördern können. Sie ermöglichen Sichtbarkeit, Austausch und Zugang zu Erfahrungswissen, können aber auch Überforderung, Fehlinformationen und unrealistische Erwartungen verstärken. Zwischen Empowerment und Disempowerment liege oft nur ein schmaler Grat – entscheidend ist, wie digitale Inhalte eingeordnet, gekennzeichnet und genutzt werden
Auch die anschließende Diskussion verdeutlichte die Relevanz des Themas: Fragen zur Medienkompetenz, zu strukturellen Rahmenbedingungen digitaler Plattformen sowie zu Möglichkeiten einer gesundheitsförderlichen Nutzung standen im Mittelpunkt. Damit zeigt sich, dass digitale Gesundheitsräume ein zentrales Zukunftsthema der Frauengesundheit darstellen und einen kontinuierlichen Dialog zwischen Forschung, Praxis und Öffentlichkeit erfordern.
Wiener Gesundheitsförderung – WiG
