Das biologische Geschlecht kann beeinflussen, wie schnell ein Medikament wirkt, wie lange es im Körper bleibt und wie stark seine Wirkung ist. Manche Medikamente wirken bei Frauen und Männern unterschiedlich und haben unterschiedliche Nebenwirkungen.
Neben dem biologischen Geschlecht haben auch Geschlechterrollen Auswirkungen:
Frauen bekommen zwei Drittel aller Anti-Depressiva und Beruhigungsmittel verschrieben. Das muss aber nicht heißen, dass Frauen häufiger psychische Erkrankungen haben. Denn Experimente zeigten: Wenn Frauen und Männer dieselben Symptome beschreiben – etwa Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen – vermuten Fachpersonen bei Frauen häufiger eine psychische Ursache, bei Männern häufiger eine körperliche Ursache. Das kann dazu führen, dass Frauen bei körperlichen und Männer bei psychischen Problemen unterversorgt sind.
Grund dafür sind keine biologischen Unterschiede, sondern weit verbreitete Vorstellungen darüber, wie Frauen und Männer sein sollen.
Außerdem sollten Forschung und Praxis verschiedene Geschlechter-Identitäten im Blick haben. Zum Beispiel haben Transgender-Personen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreis-lauf-Erkrankungen. Etwa wenn sie eine Hormontherapie zur geschlechtlichen Angleichung bekommen oder wenn sie Diskriminierungs-Erfahrungen machen, die Stress auslösen. Damit Menschen aller Geschlechtsidentitäten eine optimale Versorgung bekommen, müssen biologische Unterschiede berücksichtigt und klischeehafte Vorstellungen hinterfragt werden.
Eine geschlechtergerechte Medizin ist also für alle gut.
- Die gesammelten Informationen dazu und noch mehr finden Sie in der Broschüre „Meine Gesundheit – meine Entscheidung!“ der Sozialversicherung, verfasst vom Frauengesundheitszentrum, Graz.
- Wenn Sie testen wollen, wie gut Sie in Ihrem Gesundheitsförderungsprojekt auf Geschlecht und Gender eingehen, besuchen Sie die Checkliste „Gendersensible Betriebliche Gesundheitsförderung. Kriterien aus der Literatur und Beispiele aus der Praxis“ (GÖG/FGÖ). Im Anhang II des Wissensbands ab Seite 32 können Sie Ihre Projektschritte dazu reflektieren.
- Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen von Menschen sind vielfältig. Das E-Learning Tool zu LGBTIQ+ ermöglicht einen Blick aus Sicht von LGBTIQ+-Personen, zeigt Aspekte einer guten Gesundheitsversorgung und hilft, Diskriminierungen zu vermeiden. Konzipiert für Gesundheitspersonal, unterstützt es auch Interessierte bei dem sensiblen Umgang mit LGBTIQ+-Personen.
Weitere interessante Links:
Dachverband der Sozialversicherungen (DVSV)
Mag. (FH) Ulrike Haberl | Gesundheitssystem, Prävention und Versorgung | Ulrike.Haberl@sozialversicherung.at