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Gesundheit hat ein Geschlecht

Gesundheit hat ein Geschlecht – Arbeitsfähigkeit und Krankenstand auch. Erwerbstätigkeit begleitet Menschen über einen großen Teil ihres Lebens. Dabei zeigt sich immer deutlicher, dass Lebensphasen, Erwerbsverläufe und gesundheitliche Belastungen eng mit dem Geschlecht verknüpft sind. Für Betriebe wird es daher zunehmend relevant, Arbeitsfähigkeit nicht geschlechtsneutral zu betrachten, sondern differenziert und vorausschauend zu gestalten.

In den letzten Jahren ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Österreich weiterhin gestiegen. Dieser Zuwachs ist jedoch vor allem auf Teilzeitarbeit zurückzuführen, die sich als typische Arbeitszeitform von Frauen etabliert hat. Gründe dafür liegen in Vereinbarkeitsanforderungen, geringeren Aufstiegschancen sowie häufigen Beschäftigungen im Niedriglohnsektor. Diese strukturellen Rahmenbedingungen wirken sich unmittelbar auf Gesundheit und Arbeitsfähigkeit aus.

Aktuelle Daten unterstreichen diese Entwicklung. Laut Fehlzeitenreport des Wirtschaftsforschungsinstituts hatten unselbständig Beschäftigte im Jahr 2023 im Durchschnitt rund 15 Krankenstandstage im Jahr, womit die Fehlzeiten deutlich über dem Niveau der Vorjahre liegen. Frauen weisen dabei im Schnitt mehr Krankenstandstage auf als Männer. Während in den 1980er-Jahren Männer noch deutlich häufiger krankheitsbedingt ausfielen, hat sich dieses Verhältnis inzwischen umgekehrt. Frauen verbringen zudem mehr Lebensjahre in eingeschränkter Gesundheit, sind häufiger von chronischen und psychischen Erkrankungen betroffen und berichten öfter über anhaltende Erschöpfung. 

Die Ursachen dafür sind nur zu einem geringen Teil biologisch erklärbar. Viel stärker wirken soziale und arbeitsorganisatorische Faktoren. Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig in Branchen mit hohen körperlichen und psychosozialen Anforderungen, etwa im Gesundheits- und Sozialwesen, im Handel, in der Reinigung oder in pädagogischen Berufen. Gleichzeitig übernehmen sie nach wie vor den Großteil unbezahlter Sorgearbeit. Männer hingegen schätzen ihre Gesundheit in Befragungen meist besser ein, nehmen präventive Angebote seltener in Anspruch und melden sich häufig erst spät krank.

Für Betriebe ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. Arbeitswelten, Lebensrealitäten und Gesundheit stehen in einem direkten Zusammenhang. Eine geschlechtssensible Beurteilung von Arbeitsbedingungen hilft, Belastungen frühzeitig zu erkennen, Fehlzeiten zu reduzieren und Arbeitsfähigkeit langfristig zu sichern. Besonders wirksam ist dabei ein systematisches Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM).

BEM verfolgt das Ziel, Mitarbeiter*innen nach längeren krankheitsbedingten Ausfällen nachhaltig wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren und erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen. Es geht dabei nicht um Kontrolle, sondern um den Erhalt von Beschäftigung, die Anpassung von Arbeitsbedingungen und die Entwicklung tragfähiger Lösungen im Betrieb. Gerade bei chronischen Erkrankungen oder psychischen Belastungen kann ein strukturierter Wiedereinstieg verhindern, dass Krankheit in Arbeitslosigkeit mündet.

Unterstützung erhalten Betriebe dabei durch das österreichweit kostenlose Beratungsangebot von fit2work. Das Programm begleitet Unternehmen beim Aufbau eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements und bei der Entwicklung passender Maßnahmen – etwa durch Beratung zur Wiedereingliederungsteilzeit. Gleichzeitig unterstützt fit2work auch betroffene Mitarbeiter*innen dabei, ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederzuerlangen.

Mitarbeiter*innen verbringen einen großen Teil ihrer Lebenszeit am Arbeitsplatz. Wenn Betriebe Gesundheit und Arbeitsfähigkeit als gemeinsame Verantwortung verstehen und geschlechtersensible Aspekte in Gesundheitsmanagement und Eingliederungsprozesse integrieren, profitieren alle Beteiligten. 
 

fit2work
Mag.a Martha Scholz-Resch | Bundesweite Projektleitung fit2work

Nähere Informationen finden Sie auf der Website www.fit2work.at oder bei der kostenlosen Hotline 0800 500 118.