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Hitzeschutz bei Arbeiten im Freien

Neues AUVA-Merkblatt mit konkreten Umsetzungstipps: Die Arbeit im Freien stellt Beschäftigte zunehmend vor gesundheitliche Herausforderungen: Häufigere Hitzetage, längere Hitzewellen und Tropennächte erhöhen das Risiko für hitzebedingte Erkrankungen. Dieses Merkblatt fasst Präventionsmaßnahmen zusammen: von technischen Lösungen wie Beschattung und Kühlzonen über organisatorische Maßnahmen wie Arbeitszeitverlagerung und Akklimatisierungsplänen bis zu personenbezogenen Maßnahmen wie ausreichender Flüssigkeitszufuhr, leichter Kleidung und Schulungen. Verantwortliche Personen erhalten konkrete Hinweise zur Erstellung eines Hitze und UV Schutzplans, zur Erkennung von Warnsymptomen und zu Erste-Hilfe-Maßnahmen. Methoden zur Beurteilung der Wärmebelastung werden vorgestellt.

 

 

AUVA Merkblatt M.plus 012 Arbeiten im Freien bei Hitze
Arbeitnehmer:innen im Freien sind von Hitze besonders betroffen, weil neben der Lufttemperatur auch Sonneneinstrahlung, hohe Luftfeuchte, geringe Luftbewegung, schwere Arbeit und Schutzkleidung die Wärmebelastung erhöhen. Führungskräfte müssen Gefährdungen erkennen, bewerten und geeignete Maßnahmen – idealerweise im Voraus – planen. Das AUVA-Merkblatt „M.plus 012 Arbeiten im Freien bei Hitze“ bietet dazu einen umfassenden Überblick über wesentliche Präventionsmaßnahmen sowie konkrete Anleitungen zur Erstellung eines Hitze‑ und UV‑Schutzplans, zu Erste‑Hilfe‑Maßnahmen und Methoden zur Beurteilung der Wärmebelastung. Dieser Beitrag fasst die Inhalte kurz zusammen:

Wesentliche Präventionsmaßnahmen
Technische Maßnahmen

  • Beschattung und reflektierende Materialien reduzieren direkte Sonneneinstrahlung.
  • Kühlzonen (klimatisierte Container, schattige Aufenthaltsbereiche) und Wasservernebler senken die Umgebungstemperatur.
  • Ventilatoren unterstützen die Verdunstungskühlung, sofern die Lufttemperatur dies zulässt.

Organisatorische Maßnahmen

  • Arbeitszeitverlagerung: schwere Tätigkeiten in kühlere Tageszeiten oder auf weniger heiße Tage verschieben.
  • Reduktion der Arbeitsschwere und Aufteilung in kürzere Schichten; bei Bedarf zusätzliche Teams einsetzen.
  • Entwärmungsphasen und regelmäßige Pausen einplanen; bei hoher Belastung sind kürzere, häufigere Pausen sinnvoll.

Personenbezogene Maßnahmen

  • Kleidung: leichte, atmungsaktive Textilien; Kopfschutz bei Sonneneinstrahlung.
  • Trinken: ausreichend Flüssigkeit bereitstellen; Richtwert: ca. 200 ml alle 15–20 Minuten.
  • Elektrolytgetränke bei längerem, starkem Schwitzen; stark gesüßte, koffeinhaltige oder alkoholische Getränke meiden.
  • Hilfsmittel: Kühlwesten, Kühlkappen, angefeuchtete Nackentücher.
  • Schulung: Mitarbeitende und Vorgesetzte in der Erkennung von Warnsymptomen und in Erste‑Hilfe‑Maßnahmen unterweisen.

Hitzeakklimatisierung
Akklimatisierung erhöht die Toleranz gegenüber Hitze durch frühere und effektivere Schweißproduktion, niedrigere Herzfrequenz und geringere Kerntemperaturbelastung. Empfohlen wird eine schrittweise Steigerung der Belastung.
Beispiele für Anpassungspläne:

  • für Neueinsteiger:innen: Von 20 % der üblichen Arbeitsdauer am Tag 1 bis auf 100 % am Tag 5 (pro Tag um 20%) steigern
  • für Joberfahrene Mitarbeiter:innen z.B. Rückkehrer:innen aus dem Urlaub: Von 50 % der üblichen Arbeitsdauer am Tag 1 auf 100 % innerhalb von 4 Tagen (50%-60%-80%-100%) steigern.

Die Akklimatisierung hält nur wenige Tage nach Beendigung der Arbeiten unter Hitze an und muss dann wieder neu aufgebaut werden. 

Hitzebedingte Erkrankungen und Erste Hilfe
Krankheitsbilder: Hitzeausschlag, Hitzeödeme, Hitzekrämpfe, Hitzekollaps, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag; selten: Rhabdomyolyse.
Warnsymptome: Benommenheit bis Verwirrung, stark ausgeprägte Schwäche oder Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit.

Erste‑Hilfe‑Grundregeln:

  • Betroffene sofort in den Schatten oder in einen kühleren Raum bringen.
  • Äußere Kleidung lockern oder entfernen; schwere Schutzkleidung soweit möglich ablegen.
  • Aktive Kühlung: kalte, nasse Tücher auf Kopf, Nacken, Achseln und Leisten; Haut mit Wasser besprühen; Ventilator zusätzlich einsetzen, wenn vorhanden.
  • Bei Bewusstlosigkeit oder Verwirrung sofort Notruf absetzen.
  • Flüssigkeit geben, sofern die Person bei Bewusstsein ist und sicher trinken kann.
  • Betroffenen Person nicht alleine lassen, immer überwachen. 

Individuelle Risikofaktoren und Medikamente
Bestimmte Merkmale erhöhen das Risiko für hitzebedingte Probleme: Übergewicht (Body Mass Index ≥ 30), Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, schlechte körperliche Fitness, fehlende Akklimatisierung, Drogen‑ oder Alkoholkonsum sowie sehr helle Haut (erhöhtes UV‑Risiko). Viele Medikamente können die Thermoregulation beeinflussen, wie z.B. Medikamente zum Senken des Blutdrucks, Diuretika, Psychopharmaka, Sedativa und Stimulantien. Diese können das Schwitzen, das Durstempfinden, die Herzleistung oder den Elektrolythaushalt verändern. Es sollten besonders gefährdete Mitarbeitende identifiziert werden und bei Bedarf eine arbeitsmedizinische Beratung eingeholt bzw. ermöglicht werden.

Beurteilung der Wärmebelastung

  • Für eine genaue Einschätzung unter erschwerten Bedingungen sind mehrere Parameter nötig: Lufttemperatur, Wärmeeinstrahlung, relative Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit, Arbeitsschwere und Bekleidung. International anerkannt und seit Jahrzehnt eingesetzt wird dazu die WBGT (Wet Bulb Globe Temperature) nach der ÖNORM EN ISO 7243.
  • Das PHS‑Modell (Predicted Heat Strain) nach ÖNORM EN ISO 7933 ist für detaillierte, expertengestützte Bewertungen, unter besonderen Situationen geeignet.
  • Ein physiologisches Monitoring (z. B. Herzfrequenz) liefert individuelle Hinweise und kann ergänzend oder wenn in Bereichen deutlich über den empfohlenen Belastungswerten nach ÖNORM EN ISO 7243 gearbeitet werden muss, eingesetzt werden.
  • Die Gefühlte Temperatur wird unter anderem von der GeoSphere Austria für Hitzewarnungen verwendet. Diese berücksichtigt nicht die Arbeitsschwere, Schutzkleidung oder individuelle Faktoren.

Praktische Umsetzung und Verantwortlichkeiten
Ein schriftlicher Hitze‑ und UV‑Schutzplan sollte enthalten: Benennung der Verantwortlichen, Überwachungsprozesse (z. B. Warnstufen), Akklimatisierungsregeln, Trink‑ und Pausenregelungen, technische und organisatorische Maßnahmen sowie Notfall‑ und Erste‑Hilfe‑Maßnahmen. Eine geschulte Ansprechperson vor Ort oder zentral muss die Umsetzung überwachen. Hitze‑Apps können das Bewusstsein fördern, ersetzen jedoch derzeit keine fachliche Beurteilung.

Das AUVA-Merkblatt „M.plus 012 Arbeiten im Freien bei Hitze“ kann auf der AUVA-Website kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden: AUVA-Merkblatt M.plus 012 Arbeiten im Freien bei Hitze

AUVA
Dr. Gerhard Orsolits | Arbeitsmediziner | AUVA-Hauptstelle