Gesundheit in männerdominierten Branchen
Der Arbeitsalltag in männerdominierten Branchen kann die Gesundheit von Männern beeinflussen: Daten des Fehlzeitenreports 2026 [1] zeigen, dass Männer besonders stark von Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes (MSB) betroffen sind. 2025 waren um 20% mehr Männer als Frauen aufgrund einer Erkrankung des MSBs im Krankenstand. Eine weitere zentrale Ursache für Fehlzeiten bei Männern sind Verletzungen und Vergiftungen, von denen sie um 56% häufiger (Fälle) betroffen sind als Frauen. Dies ist neben einer höheren Risikobereitschaft beim Freizeitverhalten auch auf die Tätigkeiten in männerdominierten Branchen mit hohen physischen Belastungen und höheren Unfallrisiken zurückzuführen. Überdurchschnittlich hohe Raten für Erkrankungen des MSB und Verletzungen zeigen sich gerade im Bauwesen und der Herstellung von Waren (Industrie). Positiv ist der langfristige Trend bei den Unfallquoten in Österreich, welche seit 1974 stetig sinken. Dies ist auf verstärkte Präventions- und Schutzmaßnahmen sowie technologische Neuerungen zurückzuführen.
Unternehmen können hier gezielt ansetzen:
- Körperliche Belastungen reduzieren: Ergonomische Arbeitsgestaltung, geeignete Arbeitsmittel und gezielte Bewegungs- und Kräftigungsangebote anbieten
- Unfallprävention: Unfallrisiken bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen berücksichtigen und minimieren
Lebensstil und Lebensphasen
Gesundheitliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen entstehen auch durch gesellschaftliche Erwartungen, das eigene Körper- und Krankheitsbewusstsein, persönliche Lebensstile und unterschiedliche biologische Voraussetzungen.
Für viele Männer ist der Beruf ein zentraler Bestandteil ihrer Identität. Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit und Eigenständigkeit gelten häufig als selbstverständlich.Das kann dazu führen, dass Warnsignale ignoriert oder gesundheitliche Probleme lange verdrängt werden [2]. Dazu passt, dass Männer ihre eigene Gesundheit im Durchschnitt etwas positiver einschätzen als Frauen [3]. Diese Wahrnehmung kann auch den Umgang mit Prävention beeinflussen: Männer nehmen gesundheitsfördernde und präventive Angebote wie Vorsorgeuntersuchungen seltener in Anspruch [4].
Auch beim Lebensstil zeigen sich Unterschiede: Männer in Österreich essen seltener täglich Obst und Gemüse, sind häufiger von Übergewicht betroffen und weisen häufiger einen gesundheitsschädlichen Alkohol- und Tabakkonsum auf als Frauen. Diese Faktoren stehen in engem Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedenen Krebserkrankungen wie Lungenkrebs [4].
Gleichzeitig zeigt sich, dass Gesundheitsverhalten im Laufe des Lebens Veränderungen unterliegt. Männer sind häufiger körperlich aktiv als Frauen. Zwischen 30 und 45 Jahren nimmt ihre körperliche Aktivität jedoch zunächst ab. Diese Lebensphase ist häufig durch hohe berufliche Anforderungen geprägt. Danach steigt die körperliche Aktivität wieder an [2]. Ab dem 40. Lebensjahr kommt mit dem allmählichen Rückgang des Testosteronspiegels zudem eine biologische Veränderung hinzu, die bei manchen Männern mit Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen oder nachlassender Belastbarkeit einhergeht [5].
Diese unterschiedlichen Einflussfaktoren zeigen, dass Männergesundheit mehrere Ebenen umfasst. Unternehmen können hier ansetzen und gezielt Maßnahmen für die Gesundheit von Männern setzen:
- Gesundes Verhalten unterstützen: Ein ausgewogenes, nährstoffreiches Verpflegungsangebot sowie vielfältige Bewegungsangebote schaffen, etwa Krafttraining, Teamsport oder kurze Bewegungseinheiten. Einen bewussten Umgang mit Alkohol und Tabak fördern und Suchtprävention und -hilfe im BGM verankern.
- Prävention und Vorsorge erleichtern: Durch gezielte Informationen zu Männergesundheit, spezifischen Erkrankungen und Risikofaktoren sowie durch Erinnerungen und niederschwellige Angebote wie Gesundheitschecks am Arbeitsplatz den Zugang zu Prävention erleichtern. Durch kreative Ansätze gezielt Männer ansprechen.
- Gesundheitsförderliche Führung und Unternehmenskultur stärken: Führungskräfte für männerspezifische Gesundheitsrisiken sensibilisieren und eine offene Haltung gegenüber der Inanspruchnahme von Unterstützung fördern. Peer-Ansätze und Multiplikatoren nutzen, um Gesundheitsbewusstsein und Prävention zu stärken.

Psychische Gesundheit von Männern
Die oben genannten Faktoren prägen auch die psychische Gesundheit von Männern. Gerade beim Umgang mit psychischen Belastungen zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede, die dazu beitragen können, dass Erkrankungen später erkannt und behandelt werden. Bei Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen liegen Frauen mit 6 Fällen pro 100 Personen zwar deutlich vor den Männern (3,4 Fälle) [1]. Jedoch können Unterschiede in der Inanspruchnahme des Gesundheitssystems dazu führen, dass Erkrankungen bei Männern und Frauen unterschiedlich häufig diagnostiziert und statistisch erfasst werden [6]. Weiter gibt es genderspezifische Symptome, etwa bei Depressionen. Diese äußern sich bei Männern oft als Gereiztheit, Verlust der Impulskontrolle und Alkoholmissbrauch. In der Diagnose orientiert man sich jedoch stärker an frauentypischen Symptomen. Dadurch bleiben psychische Erkrankungen häufig länger unerkannt und es kommt häufiger zu Fehldiagnosen [2, 4].
Neben einem gestärkten Bewusstsein für genderspezifische Symptome im Allgemeinen, kann im Betrieb die mentale Gesundheit gestärkt werden: Sensibilisierte Führungskräfte, eine offene Gesprächskultur sowie sichtbare und niederschwellige Beratungsangebote können dazu beitragen, das Bewusstsein für psychische Gesundheit zu stärken, Hemmschwellen abzubauen und Unterstützung frühzeitig zugänglich zu machen.
Männergesundheit lässt sich nicht auf ein einheitliches Muster reduzieren. Männergesundheit hat viele Gesichter und Maßnahmen sollten daher möglichst zielgruppengerecht gestaltet und an den jeweiligen Arbeitsbedingungen, Lebenssituationen, Bedürfnissen und Interessen der Beschäftigten ausgerichtet werden.
Kostenlose Beratung und Unterstützung für Unternehmen
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Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Abteilung IX/A/2 - Schnittstelle Beschäftigung-Gesundheit-Alterssicherung, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
- Fehlzeitenreport 2026: Krankheits- und unfallbedingte Fehlzeiten in Österreich, Struktur der Krankenstände des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes. Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (2026).
- 3. Männerbericht. Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (2017).
- Österreichische Gesundheitsbefragung 2019: Hauptergebnisse des Austrian Health Interview Survey (ATHIS) und methodische Dokumentation. Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (2020).
- Österreichischer Gesundheitsbericht 2022. Gesundheit Österreich GmbH (2023).
- Testosteronmangel im Alter (Altershypogonadismus). gesundheit.gv.at (2026).
- A roadmap für sex- and gender-disaggregated health research. Peters & Woodward (2023).