Mehr Gesundheit für kleine Betriebe - Warum der Clusteransatz neue Chancen eröffnet
Gert Lang, Fonds Gesundes Österreich, ein Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich
Österreich ist ein Kleinbetriebsland: Rund 87 % aller Betriebe beschäftigen bis zu 14 Mitarbeiter:innen, weitere 9 % zwischen 15 und 49. Diese Betriebe bilden das wirtschaftliche Rückgrat, haben jedoch häufig eingeschränkte finanzielle und personelle Ressourcen. Typische Barrieren wie ein geringerer Investitionsspielraum, Unsicherheiten bei der Umsetzung, fehlende BGF‑Kompetenzen oder ein Mangel an passenden Unterstützungsangeboten erschweren den Einstieg in die BGF.
Neue Praxiserfahrungen zeigen jedoch: Der sogenannte Clusteransatz bietet eine adäquate Antwort auf diese Herausforderungen. Statt jeden Betrieb „für sich“ zu betrachten, werden mehrere Unternehmen mit regionalem, organisatorischem oder wirtschaftlichem Bezug in einer gemeinsamen Projektarchitektur gebündelt. Diese Clusterung ermöglicht es, Betriebe entlang geografischer Kriterien (z. B. Gemeinde, Region), über bestehende Netzwerke oder innerhalb verwandter Themenstellungen zusammenzuführen.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Durch die Koordination einer übergeordneten Einrichtung sowie die Begleitung durch qualifizierte Fachpersonen können KKU leichter erreicht und bedarfsgerechter unterstützt werden. Gleichzeitig sinken Hürden, da Ressourcen gebündelt, Synergien genutzt und Lernprozesse geteilt werden. Der kontinuierliche Austausch im KKU-Netzwerk stärkt nicht nur die beteiligten Unternehmen, sondern wirkt häufig positiv in die gesamte Region hinein.
Die Erfahrungen aus bisherigen Projekten verdeutlichen die Mehrdimensionalität des Nutzens:
- Auf Ebene der Beschäftigten: BGF‑Maßnahmen verbessern die Gesundheit, stärken die Gesundheitskompetenz und fördern Wohlbefinden und Arbeitszufriedenheit. Gerade in kleinen Betrieben, in denen Arbeitsbelastungen oft unmittelbar spürbar sind, wirken Maßnahmen zu Kommunikation, Arbeitsorganisation oder Stressbewältigung besonders nachhaltig.
- Auf Ebene der Betriebe: Unternehmen profitieren von gesünderen Arbeitsbedingungen, einer besseren Teamkultur, höherer Mitarbeiterbindung und einem verbesserten Betriebsklima. Studien zeigen darüber hinaus positive Effekte auf Image, Konfliktreduktion und Fluktuation.
- Auf Ebene von Gemeinden und Regionen: Clusterprojekte stärken den Wissens- und Erfahrungsaustausch und fördern Innovation, Vernetzung und Wettbewerbsfähigkeit. Sie ermöglichen es, lokale Strukturen einzubinden – etwa Schulen, Vereine, medizinische Dienste oder regionale Anbieter – und so Gesundheitsförderung als gemeinschaftliches Anliegen zu etablieren.
Insgesamt zeigt sich: Der Clusteransatz eröffnet gerade jenen Betrieben neue Chancen, die bisher von klassischen BGF‑Modellen schwer erreichbar waren. Indem Unternehmen gemeinsam lernen, arbeiten und sich weiterentwickeln, entsteht ein gesundheitsförderliches Netzwerk, das weit über die einzelnen Betriebe hinauswirkt. Damit trägt der Ansatz nicht nur zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei, sondern stärkt langfristig ganze Regionen – sozial, wirtschaftlich und gesundheitlich.
Der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) hat 2026 dazu einen eigenen Fördercall mit dem Titel „Betriebliche Gesundheitsförderung regional: Kleine Betriebe - große Wirkung“ veröffentlicht. Die Ausschreibung ist zweistufig, wobei bis 1. Oktober Grobkonzepte eingereicht werden können. Weitere Details, z. B. über einreichende Organisationen (Antragsteller:innen), Projektinhalte (Ziele und Prozesse), -dauer und -budget können von der Homepage abgerufen werden (https://fgoe.org/foerderprogramme_bgf).
Fonds Gesundes Österreich
Dr. Gert Lang | Gesundheitsreferent für BGF | gert.lang@goeg.at