Hitze und Hautschutz in Gewerbe und Landwirtschaft: So integrieren Sie Schutzmaßnahmen im Arbeitsalltag
Die Arbeit im Freien bietet Vitalität und Sonne, doch sie fordert unseren Körper auch heraus. Gerade Haut, Augen und Psyche sind intensiver Belastung ausgesetzt. Mit durchdachten Strategien lassen sich Risiken reduzieren – für Selbständige in der Landwirtschaft und im Baugewerbe besonders wichtig, da sie besonders im Sommer viel im Freien arbeiten.
Hautschutz: Das größte Organ schützen
Die Haut ist unser Schutzschild gegenüber Umwelt und muss Mikroorganismen und Schadstoffe abhalten. Berufsbedingte Belastungen können zu Ekzemen, Rissen oder frühzeitiger Hautalterung führen. Ein systematischer Schutz im Arbeitsalltag – ein Hautschutzplan – hilft geeignete Maßnahmen gezielt umzusetzen:
- Arbeitsstoffe und -verfahren ersetzen: Wo immer es möglich ist, müssen hautschädigende Stoffe oder Arbeiten durch schonendere Alternativen ersetzt werden.
- Schutzhandschuhe: Auswahl muss zum Gefahrenstoff passen. Hilfestellung bietet das Sicherheitsdatenblatt oder die Anwenderberatung der Hersteller.
- Hautschutzmittel: Bei leichteren Belastungen kann ein Hautschutzmittel verwendet werden. Auch dieses muss auf den Arbeitsstoff abgestimmt sein.
- Hautschonende Reinigung: Milde Reinigungsprodukte sind zu bevorzugen, möglichst keine abrasiven Mittel verwenden.
- Regeneration danach: Pflegende Cremes fördern die Reparatur des Schutzmantels. Bei langem Handschuhtragen ist dieser Schritt ebenso wichtig.
Ein gepflegtes Hautbild ist kein Luxus, sondern präventiver Gesundheitsschutz – und gilt für Frauen wie Männer gleichermaßen.
Sonnenschutz und die Hitzeschutzverordnung
Sonnenstrahlung wirkt positiv auf die Stimmung und unterstützt die Produktion von Vitamin D. Zu viel UV-Strahlung kann jedoch zu Sonnenbrand, Hautalterung und Hautkrebs führen. Gerade bei hohen Temperaturen dürfen daher wichtige Schutzmaßnahmen nicht vernachlässigt werden:
- Schatten aufsuchen: Zwischen 11:00 und 15:00Uhr ist die Strahlung besonders intensiv. Wenn möglich sollte der Aufenthalt in direkter Sonne vermieden werden. Auch Reflexion von hellen Oberflächen (Wasser, Metall, Sand, …) erhöhen die Belastung.
- Hut, Hemd, Hose: Luftige aber dennoch schützende, helle Kleidung hilft Sonnenbrände und Überhitzung zu vermeiden. Sonnenbrille für den Augenschutz nicht vergessen!
- Sonnenschutzmittel: Zur Verlängerung der Eigenschutzzeit der Haut kann ein hoher Lichtschutzfaktor verwendet werden.
- Arbeitspausen und reichlich Wasser trinken helfen bei der Bewältigung der Hitze.
Seit 1. Jänner 2026 sieht die neue Hitzeschutzverordnung (Hitze-V) einige Regeln für Beschäftigte im Freien vor. In die Evaluierung muss die Gefährdung durch Hitze und natürlicher UV-Strahlung mit einbezogen werden. Ab Hitzewarnstufe 2 (GeoSphere Austria) sind Schutzmaßnahmen jedenfalls umzusetzen, das entspricht ca. 30 °C.
Die Verordnung gilt für Arbeiten im Freien, auf Baustellen und auswärtigen Arbeitsstellen, nicht aber in geschlossenen Räumen oder bei kurzer Arbeitsdauer.
Geeignete Schutzmaßnahmen sind Beschattungen und Klimatisierung (Fahrzeuge), Anpassung der Arbeitszeiten und zusätzliche Pausen, geeignete Schutzausrüstung (PSA) aber auch ausreichende Bereitstellung von Trinkwasser und Sonnenschutzmittel.
Die SVS unterstützt Selbständige mit Sicherheitsberatungen vor Ort und Hilfe bei der Evaluierung. Mit dem „Sicherheitshunderter“ werden zudem PSA und Hautschutzprodukte gefördert.
Arbeitspsychologische Aspekte: Hitze intelligent steuern
Hitze beeinträchtigt Konzentration, Entscheidungsfähigkeit und mentale Belastbarkeit – entscheidende Fähigkeiten für Selbständige. Effektive Strategien:
- Keine wichtigen Entscheidungen bei Hitze-Spitzen: Eher morgens treffen, nachmittags Routinetätigkeiten
- Temperatur-Zeit-Modell: Arbeitszeit an Temperatur koppeln – z. B. 06:30 bis 11:00 Uhr High-Performance, danach Minimum / Pause
- Kognitive Energieschutz-Strategien: Checklisten, Standardprozesse, weniger Multitasking
- Hitze planen statt reagieren: Kalender anpassen, Kundenkommunikation vorbereiten, Deadlines realistisch setzen
- Körper = Produktionsmittel: Bis zu 2 Liter Flüssigkeit pro Stunde können verloren gehen, daher: regelmäßig trinken, Kühlung einplanen, Warnsignale beachten.
- Frühwarnsystem für sich selbst: Stoppsignale definieren, z. B. wiederholte Fehler, steigende Reizbarkeit oder Konzentrationsverlust.
- Betriebswirtschaftlich denken: Hitze kann Qualität und Entscheidungen beeinträchtigen – Pausen und reduzierte Arbeitslast zahlen sich langfristig aus.
Fazit: Hitze, Sonne und körperliche Belastung sind kein Schicksal, sondern steuerbare Risiken. Hautschutz, Sonnenschutz und kluge Arbeitsplanung helfen, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu sichern. Für Selbständige bedeutet das: Nicht härter, sondern intelligenter arbeiten, den Körper als Kapital betrachten und mit einfachen Maßnahmen präventiv handeln.
Sozialversicherung der Selbständigen
Dipl-Ing. Michael Seewald | Dr. Katharina Göttlicher | MMag. Theresa Brenner