Gesundheit am Arbeitsplatz wird zunehmend zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
Steigende Krankenstände, psychische Belastungen und klimatische Veränderungen wirken sich auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Unternehmen stehen damit vor der Frage, wie sie Gesundheit nicht nur punktuell fördern, sondern systemisch stärken können.
Das Future Health Lab zeigt anhand zweier Formate vielfältige Zugänge – von konkreten Themen wie Schlaf bis zu breiteren, organisationsübergreifenden Austauschformaten.
Schlaf – ein unterschätzter Hebel für Gesundheit, Sicherheit und Produktivität
In den vergangenen zwei Jahren hat das Future Health Lab das Thema Schlaf intensiv beleuchtet, von Schlafstörungen bis hin zu Handlungsempfehlungen. Beim dritten Sleep Innovation Forum standen praktische Beispiele und gesellschaftliche Hebel im Zentrum.
1. Schlafstörungen sind ein gesamtgesellschaftliches Thema
Laut Luisa Welter, Co-Autorin einer europaweiten Studie zu volkswirtschaftlichen Kosten von Schlafstörungen, entstehen allein in Österreich jährliche Kosten von schätzungsweise über 10 Milliarden Euro, inklusive direkter Behandlungskosten und indirekte Kosten wie Arbeitsausfälle.
Schlaf ist damit kein Lifestyle-Thema, sondern ein zentraler Gesundheits- und Sicherheitsfaktor, auch in Unternehmen.
2. Organisationen tragen aktiv zu besserem Schlaf bei
- Mit dem Programm “Parken und Rasten” schafft ASFINAG moderne Rastanlagen für sichere Pausen, besonders für Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer.
- Schichtarbeit, Stress und hohe Belastungen führen bei der Berufsfeuerwehr Linz zu einem erhöhtem Regenerationsbedarf. Die Stadt bietet Workshops zu Schlafhygiene, Chronotypen, Entspannung und mentaler Erholung.
- Schlafgesundheit ist bisher kaum Teil der arbeitsmedizinischen Ausbildung. Ein neues ÖGSM-Curriculum soll das ändern und Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner dazu schulen.
- IKEA definiert 2025 Schlafgesundheit als Schwerpunkt, mit einer Studie und internen Qualifizierungen, durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Schlafexpertinnen und Schlafexperten ausgebildet werden. Ergebnisse zeigen u. a. einen deutlichen Gender Sleep Gap und Hitzeeinflüsse auf Schlafqualität.
Für alle, die mehrere Gesundheitsthemen verknüpfen möchten: der Learning Circle
Der Learning Circle „Gesundheit unserer Mitarbeiter:innen stärken“ unterstützt Organisationen dabei, Gesundheit ganzheitlich zu denken. Ziel ist es, Perspektiven aus HR, BGM und HSE zu verbinden und gemeinsam an Herausforderungen und Maßnahmen zu arbeiten.
Neun Unternehmen nehmen derzeit am ersten Learning Circle teil. Die drei Module fokussieren auf niederschwellige und nachhaltige Maßnahmen, schwer erreichbare Zielgruppen und die Aktivierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Erkenntnisse aus Modul 1:
Hier wurden erfolgreiche Maßnahmen und Ideen gesammelt, sowie häufige Herausforderungen, unter anderem:
- Motivation & Bewusstsein: Geringe Teilnahme und der Wunsch, Gesundheit sichtbarer in der Organisationskultur zu verankern.
- Struktur & Umsetzung: Unterschiedliche Bedarfe zwischen Büro-, Produktions- und Außendienst.
- Nachhaltigkeit & Verbindlichkeit: Gefragt sind langfristige Maßnahmen und mehr Verbindlichkeit.
- Evaluation & Finanzierung: Systematische Datenerhebung über Wirksamkeit und klare Budgetstrukturen.
Erkenntnisse aus Modul 2:
Erneut wurden viele Best Practices ausgetauscht, aber auch Hürden bei der Identifikation und Erreichung der jeweiligen Zielgruppen. Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter, Führungskräfte und "analoge" Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden dabei vor allem als schwer erreichbare Zielgruppen identifiziert.
Besonders wirksam sind Angebote, die: als Teamaktivität gestaltet sind, in der Arbeitszeit stattfinden oder verpflichtend sind. Diese werden am besten durch Multiplikatoren und Mundpropaganda unterstützt. Zudem kommen zielgruppenspezifische Kommunikation und mit Essen verbundene Angebote besonders gut an.
Ausblick 2026
Modul 3 findet im Jänner 2026 statt. Die Weiterführung startet im März 2026 mit neuen, mit den derzeit teilnehmenden Unternehmen co-kreierten Modulen zu:
- Kennzahlen, Messung & Evaluierung: Wie können BGF-Erfolge gemessen und Verbesserungspotenziale identifiziert werden?
- Kommunikation: Wie kommunizieren wir die Vorteile unserer Angebote an Mitarbeitende und die Geschäftsführung?
- Psychische Belastung: Welche psychischen Belastungen haben unsere Mitarbeitenden und wie können wir sie entlasten?
Bei Interesse an einer Teilnahme, kontaktieren Sie bitte Iris Schönherr, schoenherr@futurehealthlab.at.
Fazit
Ob mit einem spezifischen Fokus wie Schlaf oder mit einem breiteren Blick auf die Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – beide Ansätze zeigen, wie Organisationen Gesundheit aktiv mitgestalten können. Was beide Formate verbindet, ist der Austausch zwischen Unternehmen, die ähnliche Herausforderungen teilen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Über das Future Health Lab
Das Future Health Lab ist ein Innovationszentrum für die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Seit der Eröffnung im Herbst 2023 erarbeiten hier öffentliche Institutionen, Unternehmen, Interessens- und Patientenvertretungen, Angehörige von Gesundheitsberufen, Innovatorinnen, Innovatoren und Forschungseinrichtungen gemeinsam Lösungen für drängende Herausforderungen.
Mehr Informationen unter: www.futurehealthlab.at.