Gesundheit in den Wechseljahren – und was das für Betriebe bedeutet
Rund 51 % der Bevölkerung sind Frauen (Statistik Austria 2025). Im Durchschnitt zwischen 45 und 55 Jahren kommen sie in die Wechseljahre. Wie diese Lebensphase erlebt wird, ist sehr unterschiedlich (Wood et al. 2025). Der erste Menstruationsgesundheitsbericht (2024) hat erstmals repräsentative Daten über die Situation von Frauen in den Wechseljahren in Österreich beleuchtet. Die letzte Regelblutung (=Menopause) tritt im Durchschnitt mit 49 Jahren auf. Viele Frauen zeigen eine positive Einstellung gegenüber den Wechseljahren – 70 % stimmen der Aussage zu, dass Frauen nach den Wechseljahren „frei und unabhängig“ sind. Gleichzeitig fühlen sich 20 % weniger gut oder gar nicht gut über die Wechseljahre informiert.
Für Betriebe besonders relevant: Bei rund 8 % der Befragten wirken sich Symptome sehr häufig oder häufig einschränkend auf den Arbeitsalltag aus; bei weiteren 10 % kommt es gelegentlich zu Beeinträchtigungen und bei 72 % nie. Die häufigsten Beschwerden sind Hitzewallungen (70 %), Nachtschweiß und Schlafprobleme (je ca. 60 %). Zusätzlich berichten knapp 45 % über häufig auftretende Stress- und Unruhezustände aufgrund der Veränderung während den Wechseljahren.
Gesundheitsförderliche Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheit in den Wechseljahren im betrieblichen Setting wurden vor diesem Hintergrund bereits in verschiedenen Studien untersucht und zeigen positive Wirkungen (Dennis/Hobson 2023; Rodrigo et al. 2023; Verdonk et al. 2022). Durch gezielte Maßnahmen können mentale Ressourcen gestärkt werden. Das Symptom-Management (z. B. bei Hitzewallung), die Arbeitszufriedenheit und die Arbeitsfähigkeit kann verbessert werden. Wichtig dabei ist (Theis et al. 2023):
- Gesundheitsförderung in den Wechseljahren sollte nicht als isoliertes Thema behandelt werden, sondern im Zusammenhang mit umfassender betrieblicher Gesundheitsförderung, beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und Gleichstellungsmaßnahmen von Unternehmen betrachtet werden.
- Ein ressourcenorientierter Zugang ist zentral – einer, der die Wechseljahre als natürliche Lebensphase anerkennt und nicht pathologisiert. Studien zeigen, dass viele Frauen ihr Wohlbefinden im beruflichen Kontext während dieser Lebensphase als gut bis sehr gut einschätzen.
Welche Maßnahmen im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung gesetzt werden können
Die Wechseljahre müssen immer im Zusammenhang mit der konkreten Arbeitstätigkeit und den Arbeitsanforderungen betrachtet werden. Besonders herausfordernd im Arbeitsalltag sind für Frauen Symptome wie Hitzewallungen und Schlafstörungen. In welchem Ausmaß diese bewältigt werden können, hängt stark von der Gestaltung des psychosozialen und physischen Arbeitsumfelds ab (Theis et al. 2023).
Aus Studien lassen sich derzeit fünf Ansatzpunkte ableiten, die Betriebe setzen können, um die Gesundheit von Frauen in den Wechseljahren zu stärken (Verdonk et al. 2022; Rodrigo et al. 2023):
- Sensibilisierung von Führungskräften: Viele Leitungspersonen sind unsicher, wie sie das Thema im betrieblichen Kontext adressieren sollen. Daher ist die Sensibilisierung von Führungskräften zu Wechseljahren und möglichen Unterstützungsangeboten eine wesentliche Maßnahme. Entsprechende Schulungen unterstützen sie dabei, angemessen auf individuelle Bedürfnisse einzugehen.
- Bereitstellung verlässlicher Informationen: Der Bedarf an qualitätsgesicherten Informationen zu Wechseljahren ist hoch. Betriebe können den Zugang erleichtern, indem sie Informationsmaterialien zur Verfügung stellen, auf externe Veranstaltungen hinweisen oder eigene Workshops zu Frauengesundheit anbieten.
- Zugang zu Ruheräumen und flexible Pausenregelungen: Flexiblere Pausen sowie Rückzugsmöglichkeiten sind zentrale Faktoren, um Symptome wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen besser zu bewältigen.
- Anpassung der physischen Arbeitsumgebung: Eine geeignete Gestaltung der Arbeitsumgebung, etwa durch Temperatur‑ und Belüftungsmanagement oder passender Arbeitskleidung (mehr Wechselkleidung bei Hitzewallungen), kann zur Linderung belastender Symptome beitragen.
- Stärkung gesundheitsförderlicher Angebote (Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung): Untersuchungen zeigen, dass Maßnahmen zur Stressreduktion sowie Programme zu Bewegung und Ernährung auch während der Wechseljahre positive Effekte entfalten.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht alle Frauen im beruflichen Kontext ausdrücklich über die Wechseljahre sprechen möchten. Für diese Frauen können hier insbesondere indirekte Interventionen wirksam sein – solche, die nicht explizit auf die Wechseljahre abzielen, sich aber nachweislich positiv auf das Wohlbefinden in dieser Lebensphase auswirken, etwa Bewegungsangebote oder Gleichstellungsprogramme (Dennis/Hobson 2023; Verdonk et al. 2022).
Was können wir aus dem Ausland lernen und welche Tools gibt es bereits?
Auf europäischer Ebene wird derzeit ein ISO‑Standard zu Menstruationsgesundheit und Menopause am Arbeitsplatz entwickelt. Ein Blick nach Großbritannien zeigt, dass es dort bereits Leitfäden für Betriebe gibt: Ein Standard zu Menstruation, Menstruationsgesundheit und Menopause am Arbeitsplatz bietet konkrete Handlungsempfehlungen und Tools wie Checklisten zur Organisationsentwicklung mit Blick auf die Wechseljahre. Auch das National Health Service in UK hat bereits einen eigenen Leitfaden – inkl. Best-Practice-Beispiele - für Manager:innen und Mitarbeiter:innen erstellt.
Fazit
Ein gesundheitsförderlicher Arbeitsplatz ist eine wesentliche Ressource für Frauen in den Wechseljahren. Dafür braucht es geschlechtersensible Rahmenbedingungen, eine offene Unternehmenskultur und gut informierte Führungskräfte. Die Wechseljahre sollen als Teil einer Lebensphase gesehen werden, ohne diese zu pathologisieren oder Frauen zu stigmatisieren. Es kann als Chance begriffen werden, Gesundheitsförderung im Betrieb zu stärken.
Aktuelle Fortbildungsangebote in Österreich:
- BGF-Schwerpunktseminar – Frauen im Fokus: Betriebliche Frauengesundheitsförderung (9. Juli 2026, 09:00-17:00 Uhr in Wien): Zur Anmeldung und mehr Infos: BGF-SCHWERPUNKTSEMINAR – Frauen im Fokus: Betriebliche Frauengesundheitsförderung
- Seminar: Gender & Health Matters − Gesundheitsförderung gendergerecht gestalten und in der Praxis umsetzen (15. April 2026, 09.00-17.00 Uhr in St. Pölten): Zur Anmeldung und mehr Infos: Gender & Health Matters − Gesundheitsförderung gendergerecht gestalten und in der Praxis umsetzen
GÖG, Koordinationsstelle Frauen- und Gendergesundheit
Anna Wahl & Sylvia Gaiswinkler
Weiterführende Ressourcen / Hinweise:
- Menstruationsgesundheitsbericht: Menstruationsgesundheit 2024 | Gesundheit Österreich GmbH
- BGM-Tools für unterschiedliche Zielgruppen zum Thema Menopause aus der UK: Making Menopause Work | The Menopause Society
- Wissensband: Gendersensible Betriebliche Gesundheitsförderung | Fonds Gesundes Österreich
- Pichler, Birgit; Korn, Karin; Münch-Beurle, Alexandra; Wolf, Hilde (2020): Handbuch Betriebliche Frauengesundheitsförderung. Büro für Frauengesundheit und Gesundheitsziele in der Abteilung Strategische Gesundheitsversorgung der Stadt Wien (Hrsg.). Wien.
- Erklärvideo zu Mädchen- und Frauengesundheit mit Fokus auf Anlaufstellen im österreichischen Gesundheitssystem: Video: Gesundheit von Mädchen und Frauen | Gesundheitsportal
- Factsheet der Australasian Menopausen Gesellschaft zur Förderung von Gesundheit am Arbeitsplatz während der Menopause: Menopause and the Workplace | Fact Sheet | Australasian Menopause Society Hub