
Sonnenschein und Wärme haben ihre schönen Seiten: Sie heben die Stimmung, fördern die Vitamin-D-Produktion und steigern das allgemeine Wohlbefinden. Doch wenn Temperaturen über längere Zeit extrem ansteigen, fordert das den Körper heraus. Durchschnittlich gab es zwischen 1991 - 2020 in den österreichischen Landeshauptstädten 9 bis 23 Hitzetage, in besonders warmen Jahren auch über 40. Die jährlichen Hitzetage haben sich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt bis verdreifacht [1] – ein Trend, der sich laut wissenschaftlichen Studien weiter fortsetzen wird [2]. Diese Zahlen zeigen: Hitze ist in Österreich kein Dauerthema, passende Schutzmaßnahmen sind trotzdem von zentraler Bedeutung und werden immer wichtiger.
Der Körper reagiert auf Hitze, indem er vermehrt Blut in Haut und Extremitäten pumpt, um die Kerntemperatur zu regulieren. Das kostet Energie und beansprucht das Herz-Kreislauf-System. Ab etwa 30 °C Lufttemperatur steigt das Unfallrisiko spürbar an, weil Konzentration und Reaktionsvermögen nachlassen. Bei extremer Hitze ab 35°C kann die Leistungsfähigkeit um bis zu 50 % sinken [3]. Neben diesen körperlichen Auswirkungen wirkt Hitze auch auf die Psyche: erhöhte Reizbarkeit, Ungeduld und Stress können das Betriebsklima belasten und die Zusammenarbeit erschweren.
Erfahren Sie mehr zu den konkreten Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher, sowie über die Kosten für die Gesellschaft: Artikel zum Grundlagenbericht „Klimawandel und Gesundheit in Österreich: Daten, Fakten, Trends“.
1. Hitzeschutz am Arbeitsplatz
Besonders betroffen sind Beschäftigte mit schwerer körperlicher Arbeit im Freien, in schlecht belüfteten Produktionshallen oder an anderen hitzeexponierten Arbeitsplätzen. Individuelle Faktoren wie Alter, bestimmte Vorerkrankungen oder Medikamente können die Hitzeempfindlichkeit zusätzlich erhöhen.
Rechtlicher Rahmen
Seit 1. Jänner 2026 gilt in Österreich die Hitzeschutzverordnung (Hitze-V) für Arbeiten im Freien. Sie verpflichtet Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Gefährdungen zu ermitteln, ein Maßnahmenprogramm zu erstellen und ab Hitzewarnung Stufe 2 konkrete Schutzmaßnahmen umzusetzen. Bei über 32,5 °C im Schatten können zudem Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter von der Arbeit freigestellt werden – bei Zustimmung der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers - und es kommt zu einer Entschädigungszahlung laut Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetz (BSchEG). Für Innenarbeitsplätze gelten die Regelungen der Arbeitsstättenverordnung (AStV). Ein eigener Fachbeitrag des Zentral-Arbeitsinspektorats beleuchtet die rechtlichen Grundlagen der Hitze-V.
Was Unternehmen konkret tun können
Guter Hitze- und Sonnenschutz im Arbeitskontext folgt dem bewährten STOP-Prinzip: Insoweit eine direkte Beseitigung der Gefahr oder Substitution nicht möglich ist, kommen in erster Linie technische Maßnahmen zur Anwendung, organisatorische Anpassungen ergänzen sie. Der Einsatz persönlicher Schutzausrüstung bildet die letzte Möglichkeit, die Wirkung der Gefahr auf den Menschen zu minimieren. Zu denken ist beispielsweise an [4]:
Substitution
- Vorfertigung von Bauteilen und Zuschnitte in kühleren Innenbereichen
- Alternatives Arbeitsverfahren und Hilfsmittel einsetzen, z. B. Hebehilfen oder Einsatz von Robotik, Drohnen etc.
Technische Maßnahmen
- Beschattung von Arbeits- und Pausenflächen (Sonnensegel, Zelte, Schirme)
- Kühlung von Fahrzeugkabinen und Aufenthaltsräumen
- Reduktion körperlicher anstrengender Arbeit z.B. durch Hebehilfen
Organisatorische Maßnahmen
- Schwere Tätigkeiten in die kühlen Morgenstunden oder in den Schatten verlegen
- Zusätzliche Pausen zum Abkühlen
Persönliche Maßnahmen & Ausstattung
- Ausreichend Trinkwasser bereitstellen
- Leichte, atmungsaktive Arbeitskleidung
Eine Übersicht über weitere Maßnahmen und zusätzliche Informationen sind im Leitfaden für Arbeitgeber zum Thema Hitze am Arbeitsplatz von EU-OSHA zu finden.
Führungskräfte als Schlüsselpersonen
Führungskräfte spielen bei der Hitzeprävention eine zentrale Rolle. Wichtig ist, Frühzeichen von Hitzeerschöpfung – wie Schwindel, Verwirrtheit oder ungewöhnliche Reizbarkeit – rechtzeitig zu erkennen und richtig zu reagieren. Ein weiterer zentraler Baustein beim Hitzeschutz ist, über die Gefahren von Hitze aktiv aufzuklären und Mitarbeitende für Gesundheitsrisiken zu sensibilisieren. Eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur, zum Beispiel durch regelmäßige Trinkerinnerungen und eine gelebte Pausenkultur, unterstützt den Hitzeschutz im Arbeitsalltag. Dabei sind die Bedürfnisse verschiedener Beschäftigtengruppen – etwa in der mobilen Pflege oder im Außendienst – besonders zu beachten.
2. Hautgesundheit am Arbeitsplatz
Sonnenlicht ist wertvoll: Es verbessert die Stimmung und stärkt das Immunsystem. Doch intensive UV-Strahlung birgt auch Risiken, die im Arbeitsalltag häufig unterschätzt werden [5]. Ein qualitätsgesicherter Umgang mit Hautschutz ist zentral für die Gesundheit im Betrieb.
Besonders gefährdet in punkto Hautschutz sind Beschäftigte, die viel Zeit im Freien verbringen: Sie tragen ein erhöhtes Hautkrebsrisiko im Vergleich zur Gesamtbevölkerung [6]. Aber auch wer hauptsächlich drinnen arbeitet, kann von Hauterkrankungen betroffen sein – etwa durch häufigen Kontakt mit Wasser, Reinigungsmitteln oder Chemikalien, das Tragen von Handschuhen bei Hitze oder das Schwitzen unter Schutzkleidung. Hautprobleme entwickeln sich oft schleichend – frühzeitiges Erkennen und Handeln ist daher auch für diesen Aspekt entscheidend.
Vorbeugen
Wirksamer Hautschutz beginnt mit einer gründlichen Bestandsaufnahme: Welchen Belastungen sind Mitarbeitende ausgesetzt? Wo lassen sich Risiken schon durch die Wahl hautverträglicherer Arbeitsstoffe oder -bedingungen reduzieren, technische oder organisatorische Maßnahmen setzen? Erst als letzte Maßnahme kommen persönliche Schutzmaßnahmen ins Spiel.
Maßnahmen zum Schutz vor UV-Strahlung [4]
- Vermeiden z.B. durch Verlagerung der Tätigkeiten in den Innenbereich oder Schatten
- Beschattung von Arbeits- und Pausenflächen (Sonnensegel, Zelte, Schirme)
- Tragen von Arbeitskleidung (Bedecken von Schultern), Kopfbedeckung mit Nackenschutz und UV-Schutzbrille
- Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF 30-50)
Maßnahmen zum Hautschutz allgemein [7]
- Hautschutzplan erstellen: Schutz, Pflege und schonende Reinigung aufeinander abstimmen
- Kontakt mit Gefahrenstoffen vermieden
- Tragen passender Schutzhandschuhe (nur wenn notwendig)
3. Exkurs – doppelt gut: Gesundheit und Nachhaltigkeit zusammendenken
Modernes betriebliches Gesundheitsmanagement denkt über die klassische Prävention hinaus. Viele Maßnahmen zahlen gleichzeitig auf Gesundheit, Klimaschutz und Nachhaltigkeit ein – sogenannte Co-Benefits.
Jetzt aktiv werden
Unternehmen, die jetzt handeln, schützen nicht nur die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden – sie sichern auch Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit und machen sich als Arbeitgeber attraktiver. Gerade für KMUs gilt: Man muss das Rad nicht neu erfinden. Es gibt viele erprobte Maßnahmen und kompetente, kostenlose Unterstützung. Bis Ende Juni werden auf unserer Website spezifische Angebote für Betriebe zum Thema Hitze und Haut vorgestellt. Schauen Sie bald wieder vorbei und melden Sie sich zu unserem Newsletter an, um alle Angebote gesammelt in Ihrem Posteingang zu erhalten.
Möchten Sie selbst als Unternehmen aktiv werden und suchen Unterstützung? Wer die richtige Ansprechpartnerin oder der richtige Ansprechpartner in Ihrer Region bei Fragen zum Arbeitnehmer:innenschutz, der Betrieblichen Gesundheitsförderung und dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement ist, erfahren Sie im BGM-Check. fit2work bietet zudem die Möglichkeit, eine solche BGM-Standortbestimmung gemeinsam mit erfahrenen Beraterinnen und Beratern durchzuführen. Abschließend noch zwei Veranstaltungshinweise spezifisch zum Thema „Hitze und Haut“:
- Am 9. Juni 2026 findet der Österreichische Hitzeaktionstag mit dem Motto "Coole Lösungen am Arbeitsplatz" statt. Im Zuge dessen finden österreichweit zahlreiche spannende Veranstaltungen statt.
- Am 26. Juni 2026 findet unser kostenfreies Webinar zum Thema „Hitze und Haut am Arbeitsplatz“ mit Expertinnen und Experten aus den drei Handlungsfeldern Arbeitnehmerinnenschutz, Betriebliche Gesundheitsförderung und Betriebliches Eingliederungsmanagement statt.
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Abteilung IX/A/2 - Schnittstelle Beschäftigung-Gesundheit-Alterssicherung, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
- Massive Zunahme an Hitzetagen. GeoSphere Austria (2022).
- ÖKS15 – Klimaszenarien für Österreich: Daten, Methoden und Klimaanalyse. Projektendbericht. Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (2016)
- AUVA: Unfallgefahr steigt durch Hitze. AUVA (2018)
- Informationsblatt zu Hitze- und UV-Schutzmaßnahmen bei Arbeiten im Freien
- Hautkrankheiten sind in Österreich eine der häufigsten berufsbedingten Erkrankungen (siehe: Gesunde Haut: Ein Ratgeber zum Thema Hautschutz) und in Deutschland sind sie die zweithäufigste anerkannte Berufskrankheit (siehe: Berufskrankheiten im Jahr 2023: Berufskrankheiten-Monitoring-Bericht – inklusive Trendanalysen über die vorangegangenen zehn Jahre der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege).
- Arbeiten bei Hitze im Freien. ZAI
- Gesunde Haut: Ein Ratgeber zum Thema Hautschutz. AUVA