Psychische Belastungen in Alten- und Pflegeheimen

In Alten- und Pflegeheimen spielt das Fehlzeitenmanagement sowie das daraus abgeleitete Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) eine zentrale Rolle. BEM zielt darauf ab, die Belastungen für die betroffenen Personen zu mindern, um diese wieder schneller in den Arbeitsprozess reintegrieren zu können. Konkrete Maßnahmen des BEM können beispielsweise die Erarbeitung einer Vereinbarung zur Umsetzung einer Wiedereingliederungsteilzeit (WIETZ), Arbeitsplatzanpassungen, Veränderung der Arbeitszeit oder Qualifizierungsmaßnahmen sein.

In Österreichs Alten- und Pflegeheimen arbeiten derzeit rund 127.000 Menschen [1]. Aufgrund des Anstiegs der über 64-Jährigen in der Bevölkerung, ist in den letzten Jahren ein damit einhergehender Anstieg der zu betreuenden sowie zu pflegenden Personen zu beobachten gewesen. Diese Entwicklung wird sich auch mit Blick in die Zukunft weiter fortsetzen [2][3]. Das bedeutet, dass auch die Arbeitsbelastung für Personal in der Pflegedienstleistung steigen wird. Besonders in der Langzeitbetreuung und -pflege entstehen dadurch neue Problemlagen. Der Anteil chronischer gegenüber akuten Krankheitsbildern nimmt zu [4][5].

In den aktuellen EU-Arbeitsschwerpunkten steht die Pflege im Fokus. Die zunehmende Anzahl älterer Menschen und der demographische Wandel verdeutlichen die Notwendigkeit einer verstärkten Pflegeinfrastruktur [4][6]. Eine Analyse des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz aus dem Jahr 2021 hat die Arbeitsbedingungen von Pflegedienstleistenden untersucht: 15 % der Pflegekräfte haben demzufolge bereits konkrete Absichten, den Beruf zu wechseln. 65 % der Befragten im Pflegesektor halten es für unwahrscheinlich, den Beruf bis zur Pension durchzuhalten. Ein Ergebnis dieser Studie hebt die Förderung von Qualifizierungen und Ressourcen hervor. Eine nachhaltige BEM-Struktur fördert Ressourcen und Qualifizierungen. [3]

Insbesondere kleine und mittlere Betriebe kennen die Möglichkeiten und nachhaltigen Effekte eines strukturierten BEM oft nicht. Zahlreiche Unterstützungsangebote können jedoch die Rückkehr an den Arbeitsplatz erleichtern und die Arbeitsfähigkeit erhalten oder fördern. [2]

Der nachfolgende Bericht aus der Beratungspraxis der fit2work Betriebsberatung beleuchtet nicht nur die aktuellen Belastungen, sondern präsentiert auch bewährte Strategien, Arbeitsbedingungen zu verbessern. Durch die Stärkung der psychischen Gesundheit und Verringerung der körperlichen Belastungen, kann der Arbeitsdruck reduziert werden. Dies ist ein Hebel, mit dem den wachsenden Anforderungen begegnet werden kann. [3][7]

fit2work Betriebsberatung: Der Beratungsprozess in der Praxis

Die Kombination von intensivem körperlichem Einsatz im Pflegealltag und emotional-psychischer Belastungen stellt sich in der fit2work Betriebsberatung in Alten- und Pflegeheimen derzeit als eine der größten Herausforderung dar. Hohe Krankenstände, daraus resultierend hohe Fluktuation sowie fehlendes Personal und damit einhergehende, ständig steigende Arbeitsbelastung, skizzieren Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Beratungstätigkeit seitens fit2work.

Mit Hilfe des fit2work Beratungsprozesses können diese Belastungen aufgezeigt werden. Beginnend mit der Erstberatung, die meist mit dem gesamten Führungsteam (Heimleitung, Pflegedienstleitung, Wohnbereichsleitung und Verwaltungsleitung) erfolgt, wird bereits sichtbar, dass vor allem im Sozialbereich die psychische Gesundheit im Arbeitsalltag stark belastet ist. Im Zuge der Ausführung des BGM-Checks werden die Säulen des Arbeitnehmer:innenschutzes, der Betrieblichen Gesundheitsförderung und des Betrieblichen Eingliederungsmanagements beleuchtet und Bedarfe erhoben. Ein wichtiger Bestandteil des fit2work Beratungsprozess ist es, den Betrieben durch qualifizierte Weiterverweise zu den Leistungen jener Institutionen, die im Rahmen des ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheits-Managements (BGM) Unterstützungsleistungen für Menschen und Unternehmen anbieten, Zugänge zu empfehlen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil beim fit2work Beratungsprozess ist die Überprüfung der tatsächlichen Fehlzeiten, unterteilt in Krankenstände, Rehabilitations- und Kuraufenthalte sowie Pflegefreistellungen. fit2work bietet den Betrieben ein qualitativ hochwertiges Tool für das Fehlzeitenmonitoring an. Besonders in den Alten- und Pflegeheimen zeigen hohe Krankenstandsquoten an, dass es durch die körperlichen und psychischen Belastungen zu vermehrten Ausfällen kommt.

Um die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter:innen zu messen, wird eine WAI-Befragung durchgeführt, bei Bedarf in Kombination mit der „COPSOQ“-Befragung [7]. Insbesondere psychische Belastungen der Belegschaft werden hier sichtbar und können herausgearbeitet werden. Die darauf basierenden Maßnahmen zur Förderung bzw. Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit dienen der Unterstützung körperlicher sowie psychischer Herausforderungen des Arbeitsalltags. So gelingt es, arbeitsfähige Teams zu erhalten oder aufzubauen. Insbesondere in Alten- und Pflegheimen ist zu bedenken, dass es in erster Linie um das Wohl von Menschen geht – somit auch um das Wohl des Personals, der Bewohner:innen sowie auch um das Wohl von Angehörigen.

Zusätzlich zu Analyseinstrumenten, werden basierend auf dem Modell des Hauses der Arbeitsfähigkeit [8] Workshops in Gruppen oder Interviews durchgeführt, in denen die Anforderungen sichtbar gemacht werden, durch welche psychische Belastungen entstehen.

Abschließend werden Strukturen für die positive Umsetzung von Wiedereingliederungsmaßnahmen nach Langzeitkrankenständen erarbeitet – der Aufbau des Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Dies gibt der Führung und dem Pflegepersonal im Arbeitsalltag die Sicherheit und Möglichkeit, rasch auf ein strukturiertes Eingliederungssystem zurückzugreifen. Vertretungsregelungen, Aufbau und Unterstützung von MitarbeiterInnen-Gesprächen sowie die Ernennung und Ausbildung von BEM-Beauftragten seitens fit2work runden die Unterstützung für die Betriebe ab und stellen sicher, dass das Bewusstsein und die Möglichkeiten zur zukunftsorientierten Unterstützung des Pflegepersonals gewährleistet ist. Bei individuellen Belastungsszenarien kann darüber hinaus sofort auf die Unterstützung der fit2work Personenberatung zugegriffen werden.

Die Unterstützungsleistung durch die österreichweit kostenlose fit2work Betriebsberatung ist vielseitig und umfangreich:

Sensibilisierung zu Erhalt / Förderung der (psychischen) Arbeitsfähigkeit

  • Erhebung und Reflexion des Status Quo der psychischen Leistungsreserven und der Fehlzeiten im Betrieb
  • Workshops und/oder Coachings zu Erhalt / Förderung der (psychischen) Arbeitsfähigkeit 
  • Information und Verweise zu externen Unterstützungsleistungen (fit2work Personenberatung, Angebote der Partnerinstitutionen)

Unterstützung bei der Maßnahmenableitung und -umsetzung

  • Erhebung von konkreten betrieblichen Rahmenbedingungen, die belasten und Ableitung von Maßnahmen zu Förderung und Erhalt der Arbeitsfähigkeit

Unterstützung beim Aufbau eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements

  • Aufbau interner Unterstützungsstrukturen und -prozesse
  • Ausbildung fit2work Beauftragte:r im Betrieb
  • Einbindung in die fit2work Community

[1] Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen (sozialministerium.at) (Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen – Sonderauswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index)

[4] EZ_SIM_Policy_Brief_Pflege_2018_DT.pdf („Das österreichische Pflegesystem: Ein europäischer Sonderfall“, Ass. Prof. Dr. Ernest G. Pichlbauer, Bertelsmann Stiftung, 2018)

[8] Das „Haus der Arbeitsfähigkeit“ ist ein Modell des finnischen Wissenschaftlers Juhani Ilmarinen, das die wesentlichen Faktoren für die Arbeitsfähigkeit eines Menschen abbildet. Haus der Arbeitsfähigkeit • Arbeitsfähigkeit (arbeitsfaehigkeit.org)

 

fit2work

Stephan Hinterkörner, MBA | Koordination fit2work Betriebsberatung OÖ

Brigitte Dörfler-Ecker | fit2work Betriebsberaterin OÖ

Anna Nitzsche, MSc | Betriebliches Eingliederungsmanagement, ÖSB Consulting GmbH