Neue Lebensabschnitte bringen unterschiedliche Anforderungen und Bedürfnisse an den Arbeitsplatz mit sich. Um möglichst lange gesund arbeiten zu können, ist es im Sinne der Betrieblichen Gesundheitsförderung essenziell, Arbeitsplätze gesundheitsförderlich und entlang der aktuellen Lebensphase zu gestalten. Aber was bedeutet das konkret für Unternehmerinnen selbst?
Unternehmerinnen haben viele Handlungsspielräume, begegnen aber oft anderen Herausforderungen. Dazu zählen hohe Verantwortung, Unplanbarkeit und Ungewissheit. Besonders in Ein-Personen-Unternehmen oder in Familienbetrieben sind ergänzende Überlegungen notwendig, um auch hier das Thema Wechseljahre in die Betriebliche Gesundheitsförderung einzubeziehen.
Ein-Personen-Unternehmerinnen sind eine „One-Woman-Show“ – oft ohne Möglichkeit, Aufgaben an andere delegieren zu können. Gleichzeitig ist der größere Gestaltungsfreiraum bzw. Handlungs- und Entscheidungsspielraum im Vergleich zum Angestelltenverhältnis für viele die Hauptmotivation zur Selbständigkeit und damit eine der größten Ressourcen überhaupt. Diese sollte bewusst und gezielt eingesetzt werden: Wesentlich ist, sich selbst Pausen zu „erlauben“, Prioritäten zu setzen und „Nein“ zu sagen, wenn die eigenen Bedürfnisse zu sehr ins Hintertreffen geraten.
Frauen in Kleinstunternehmen (Unternehmen mit vier oder weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern) zeigen sich laut DAK-Whitepaper (DAK-Gesundheit, Gesetzliche Krankenversicherung, 2025) zum Thema Wechseljahre zwar geringer belastet (27 %) im Vergleich zu größeren Unternehmen (mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, 35 %), ergreifen aber, wenn sie betroffen sind, seltener selbst Maßnahmen wie Homeoffice, Gespräche/Austausch oder Nutzung flexibler Arbeitszeiten. Das könnte darauf hinweisen, dass kleinere Unternehmen bereits wechseljahresfreundliche Arbeitsbedingungen ermöglichen und das Thema offen kommunizieren. Eigene Bedürfnisse dürften hingegen im Fall des Falles wenig beachtet und hintangestellt werden.
Gegenüber Kundinnen und Kunden kann ein bewusster Umgang mit dem Thema Wechseljahre bzw. mögliche Einschränkungen oder Veränderungen auf den Berufsalltag hilfreich sein. Das bedeutet nicht, persönliche Details zu besprechen, aber dort und da eine bewusst entschiedene Offenheit zum Thema unterstützt eine Enttabuisierung von normalen biologischen Vorgängen. Eine Gesellschaft, in der das Thema Wechseljahre normalisiert ist, wirkt umgekehrt wieder unterstützend: Wenn die Menopause als normale Lebensphase angesehen wird, ist niemand überrascht, wenn man mit Bezug darauf um eine Terminverschiebung bittet. Sichtbare Symptome wie Schweißausbrüche während einer beruflichen Besprechung werden dann nicht mit Unsicherheit oder Schwäche interpretiert, sondern können als normale Begleiterscheinungen offen angesprochen werden.
Familienbetriebe als besonderer Arbeitsplatz
Nirgends ist die Verflechtung von Arbeit und individueller Gesundheit so stark wie in Familienbetrieben – dies wirkt einerseits im positiven Sinn, birgt andererseits aber auch Risiken. Wirtschaftliche Probleme und damit verbundene Sorgen können sich auf die Gesundheit der Familienmitglieder auswirken. Umgekehrt können Veränderungen von einzelnen Familienmitgliedern, wie sie im Zuge der Wechseljahre möglicherweise auftreten, den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs beeinflussen. Laut einer österreichweiten Befragung zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz (MenoSupport Austria, Rumler & Memmert, 2024) haben Wechseljahressymptome durchaus Einfluss auf Entscheidungen bezüglich des beruflichen Werdegangs: ca. 21 % reduzierten ihre Arbeitszeit, 15 % nahmen eine berufliche Auszeit und 8 % gingen früher in Pension.
Unterstützung durch die SVS
Die Sensibilisierung für und Normalisierung des Themas Wechseljahre muss innerhalb von Familienbetrieben sicherlich anders angestoßen werden als in großen Betrieben mit vielen Dienstnehmern. Aufgrund der engen Verflechtung zwischen privatem und beruflichem Umfeld spielt das Thema auch im Arbeitsalltag eine besondere Rolle. Denn: Trotz familiärer Nähe ist es nicht selbstverständlich, dass offen darüber gesprochen wird. Unterstützung dabei erhalten Betroffene beispielsweise mit „Future Proof“ (future-proof.at). Das Betriebliche Gesundheitsförderungsprogramm der SVS bietet unter anderem Gelegenheit, um Strategien für die besondere Lebensphase rund um die Menopause zu gestalten.
Mehr zu den Angeboten der SVS zum Thema Wechseljahre.
Sozialversicherung der Selbständigen
Dr. Katharina Göttlicher | Arbeitspsychologie SVS | Katharina.Goettlicher@svs.at